1914

Amtliche Mitteilungen

Hier finden Sie Stoff zum Lesen. Anders als in der Propagandataktik des 2. Weltkrieges dienten die Heeresberichte als reine Informationsquelle. Im 2. Weltkrieg galten diese Berichte von deutscher Seite als unglaubwürdig. Wer sich informieren wollte hörte "Feindsender".

Im 1. Weltkrieg verhielt es sich anders. Die deutschen Heeresberichte wurden "als sehr genau" bezeichnet. Presseveröffentlichungen auf Seiten des Deutschen Reiches und Österreich-Ungarns stützten sich auf diese Berichte ebenso auf amtliche Mitteilungen örtlicher Kommunalverwaltungen.

Auch international galten Berichterstattungen besonders von der deutschen Seite als glaubwürdiger. Das Deutsche reich war auch schließlich die Nation, die sich immer wieder an die USA wendeten, die bis zum Kriegsbeitritt eine Vermittlerrolle einnahm. Dies und gerade besonders, wenn von Seiten der Entente gegen internationale Gesetze verstoßen wurde, wie zum Beispiel die Verwendung von DUM-DUM-Geschossen von Seiten Frankreichs.

Auf Seiten der Entente wurden die Printmedien weitaus mehr für propagandistische Zwecke entdeckt.

Hier wurde alles mögliche angestrengt, um die verhassten Hunnen in jeglicher Lage zu diffamieren und zu diskreditieren. Die USA wurde nicht als Vermittler gesehen, sondern als eine Nation, die es galt, auf ihrer Seite und zum Kriegseintritt zu bringen.

In der Kategorie "Heeresberichte" finden sich Mitteilungen aus den deutsch/österr.-ungar. Hauptquartieren und unter "Amtliche Mitteilungen" eben solche von Kommunalverwaltungen und internationalen Presse.

Ich lasse diese für den Leser unkommentiert.

05. September 1914

Flagge der Provinz Ostpreußen

Flagge der Provinz Ostpreußen

Eine Reihe von Landräten ist von den Russen gefangengenommen und nach Russland abgeführt worden.

Der Landrat von Goldap soll gezwungen worden sein, Vieh, das aus seinem Kreise von den Russen zusammengebracht worden ist, nach Russland zu treiben.

Von vielen Gendarmen des Grenzgebietes fehlt jede Spur. Fest steht, dass ein Gendarm aus dem Kreise Pillkallen erstochen worden ist.

Der Gendarm aus Bilderweitschen wurde von den Russen gefangengenommen. Man hat gesehen, wie er auf eine Protze gefesselt durch Eydtkuhnen gebracht wurde. Dann ist er erstochen worden. Seine Leiche lag auf dem Marktplatz in Kirbarty.

Die evangelischen Pfarrer in Scharenken, Kreis Marggrabowa, und in Szittkehmen, Kreis Goldap, weigerten sich, den Russen Angaben über die Stellung unserer Truppen zu machen. Sie wurden deshalb in den Mund geschossen. Der eine ist tot, der andere wurde schwer verwundet, ohne Hoffnung aus Genesung in das Krankenhaus von Goldap gebracht.

In einem Dorfe im Kreise Pillkallen wurden Frauen und Kinder zusammen auf ein Gehöft getrieben, die Hoftore geschlossen, das Gehöft in Brand gesteckt. Erst als die Eingeschlossenen in höchste Not und Bedrängnis geraten waren, wurden die gequälten Leute herausgelassen.

Auf einem Gutshofe bei Szittkehmen wurde der alte Besitzer erschlagen, die Wirtin wurde genötigt, den Russen Speisen und Getränke zu bringen. Als alles aufgezehrt war, musste sie in einer Gasse, die von den russischen Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett gebildet worden war, Spießruten laufen und wurde dabei schwer verletzt.

In einem Dorfe des Kreises Stallupönen wurde unter der unwahren Behauptung, dass aus dem Dorfe geschossen worden sei, eine Reihe von Bewohnern, darunter Frauen und Kinder, nach vorheriger Marterung erschossen.

Ebenso wurden im Dorfe Schillehnen, im Kreise Pillkallen, zehn Personen unter dem gleichen falschen Vorgeben niedergemacht.

Im Dorfe Radszen haben die russischen Soldaten fast alle Gebäude angezündet, so dass im Augenblick fast das ganze Dorf in Flammen aufging. Auf die unglücklichen Bewohner des Dorfes wurde mit Hieb- und Schusswaffen losgegangen. Getötet wurden in diesem Dorfe zwei Männer und acht Frauen, drei Männer wurden verletzt.

Ähnliche Vorfälle von Mord, Brand und Verwüstung werden aus zahlreichen Grenzorten gemeldet. Bei den Mordbrennereien gingen die Russen in der Weise vor, dass zunächst die Domänengehöfte als königliches Eigentum mit allen Vorräten niedergebrannt wurden. Dann wurden die Güter vorgenommen und dann die Dörfer. Bis zum 18. August 1914 waren aus dem Gumbinener Bezirke sechs Domänen, aus dem Pillkallener Kreise allein über fünfzehn Dörfer und Güter niedergebrannt.

Nach den vorliegenden Schilderungen sind die Russen bei diesen Mordbrennereien ganz systematisch vorgegangen. Den Truppen zogen mit Zündmaterial ausgerüstete Brandkommandos voran, welche die Häuser mit petroleumgetränkten Schwämmen und Brandraketen anzündeten. Gewöhnlich wurden die Bewohner zuvor aufgefordert, die Häuser zu verlassen. Manche Kommandanten ließen gelegentlich die Wohnhäuser stehen und beschränkten sich auf das Abbrennen der Ställe und Scheunen. Die Verheerung der Dörfer wurde häufig unter dem Vorwand vorgenommen, dass aus ihnen geschossen worden sei.

28. August 1914

Seit vorgestern ist eine Millionenschlacht zwischen Österreichern und Russen im Gange. Die Front der Armeen beträgt 400 Kilometer von der Weichsel bis an den Dnjestr.

Die westliche russische Gruppe ist bei Krasnik bereits geschlagen. Ebenso hatten die Österreicher gegen den rechten Flügel der russischen Zentralgruppe bereits namhafte Erfolge bei Rawaruska und Zolkiew. Im übrigen tobt der Kampf fort in dem Raum um Tarnopol.

1. Proklamation

Franzosen! Seit mehreren Tagen stellen erbitterte Kämpfe unsere heldenhaften Truppen und die feindlichen Armeen auf die Probe. Die Tapferkeit unserer Soldaten hat ihnen an mehreren Punkten bemerkenswerte Vorteile eingetragen.

Dagegen hat uns im Norden der Vorstoß der deutschen Streitkräfte zum Rückzug gezwungen. Diese Lage nötigt den Präsidenten der Republik und die Regierung zu einem schmerzlichen Entschluss:

Um über das Heil der Nation zu wachen, haben die Behörden die Pflicht, sich zeitweilig von Paris zu entfernen. Indessen wird der hervorragende Oberbefehlshaber der französischen Armee voll Mut und Begeisterung die Hauptstadt und ihre patriotische Bevölkerung gegen die Eindringlinge verteidigen. Aber der Krieg soll gleichzeitig im übrigen Lande weitergeführt werden. Ohne Furcht und Nachlassen, ohne Aufschub und Schwäche wird der heilige Kampf für die Ehre der Nation und die Ehre des verletzten Rechtes weitergehen.

Keine unserer Armeen ist in ihrem Bestand erschüttert. Wenn einige von ihnen sehr bemerkenswerte Verluste erlitten haben, so sind die Lücken sofort von den Depots aus wieder ausgefüllt worden. Der Aufruf der Rekruten sichert neue Quellen an Menschen und Energien. Widerstand und Kampf, das soll die Parole der verbündeten englischen, russischen, belgischen und französischen Heere sein. Widerstand und Kampf, während die Engländer uns zur See helfen und die Verbindungen unserer Feinde mit der Welt abschneiden.

Widerstand und Kampf, während die russischen Armeen weiter vorrücken, um den entscheidenden Stoß in das Herz des Deutschen Reiches zu führen. Es ist die Aufgabe der republikanischen Regierung, diesen hartnäckigen Widerstand zu leiten.

Überall werden zum Schutze der Unabhängigkeit Frankreichs Länder sich erheben, um diesem furchtbaren Kampfe seine ganze Kraft und seine Wirksamkeit zu verleihen.

Es ist unumgänglich notwendig, dass die Regierung freie Hand zum handeln behält. Auf Wunsch der Militärbehörden verlegt die Regierung daher für den Augenblick ihren Aufenthalt nach einem Punkte Frankreichs, wo sie in ununterbrochener Verbindung mit der Gesamtheit des Landes bleiben kann. Sie fordert die Mitglieder des Parlamentes auf, sich nicht fern von ihr zu halten, um gegenüber dem Feinde, zusammen mit der Regierung und ihren Kollegen, einen Sammelpunkt der nationalen Einheit zu bilden.

Die Regierung verlässt Paris erst, nachdem sie die Verteidigung der Stadt und des befestigten Lagers durch all in ihrer Macht stehenden Mittel sichergestellt hat.

Sie weiß, dass sie es nicht nötig hat, der bewunderungswürdigen Pariser Bevölkerung Ruhe, Entschlusskraft und Kaltblütigkeit zu empfehlen. Die Bevölkerung von Paris zeigt jeden Tag, dass sie den größten Pflichten gewachsen ist.

Franzosen! Zeigen wir uns dieser tragischen Umstände würdig! Wir werden den endlichen Sieg erringen. Wir werden ihn erringen durch den unermüdlichen Willen zum Widerstand und zur Beharrlichkeit. Eine Nation, die nicht untergehen will, die, um zu leben weder vor Leiden noch vor Opfern zurückschreckt, ist sicher, zu siegen!

2. Proklamation

Die Regierung weiß, dass sie auf das Land zählen kann. Seine Söhne vergießen ihr Blut für Vaterland und Freiheit an der Seite der heldenmütigen Armeen Englands und Belgiens. Sie halten ohne Zittern den furchtbarsten Sturm von Eisen und Feuer aus, der je ein Volk überschüttet hat. Alle blieben aufrecht. Ruhm den Lebenden und Ruhm den Toten! Die Menschen fallen, aber die Nation bleibt bestehen. Der endgültige Sieg ist gesichert.

Franzosen! Die Pflicht ist tragisch, aber einfach:

Den Eindringling zurückzuwerfen und unseren Boden von seiner Gegenwart und die Freiheit von seinen Fesseln zu befreien!

September 1914

Deutsches Kaiserreich

Deutsches Kaiserreich

"Ich betrachte es als mein Pflicht, Herr Präsident, Sie, als den hervorragendsten Vertreter der Grundsätze der Menschlichkeit, zu benachrichtigen, dass nach Einnahme der französischen Festung Longwy dort Tausende von Dum-Dum-Geschossen entdeckt wurden, die durch eine besondere Regierungswerkstätte hergestellt waren. Ebensolche Geschosse wurden bei getöteten oder verwundeten Soldaten und Gefangenen auch britischer Truppen gefunden. Sie wissen, welche schrecklichen Wunden und Leiden diese Kugeln verursachen, und dass ihre Anwendung durch die anerkannten Grundsätze des internationalen Rechts streng verboten ist. Ich richte daher an Sie einen feierlichen Protest gegen diese Art der Kriegsführung, die dank den Methoden unserer Gegner eine der barbarischsten geworden ist, die man in der Geschichte kennt.

Nicht nur haben sie diese grausamen Waffen angewendet, sondern die belgische Regierung hat die Teilnahme der belgischen Zivilbevölkerung an dem Kampfe offen ermutigt und seit langem sorgfältig vorbereitet. Die selbst von Frauen und Geistlichen in diesem Guerillakrieg begangenen Grausamkeiten, auch an verwundeten Soldaten, Ärzten, Personal und Pflegerinnen (Ärzte wurden getötet, Lazarette durch Gewehrfeuer angegriffen) waren derartig, dass meine Generale endlich gezwungen waren, die schärfsten Mittel zu ergreifen, um die Schuldigen zu bestrafen und die blutdürstige Bevölkerung von der Fortsetzung ihrer schimpflichen Mord- und Schandtaten abzuschrecken.

Einige Dörfer und selbst die alte Stadt Löwen mussten in Selbstverteidigung und zum Schutze meiner Truppen zerstört werden (in Wirklichkeit wurde nur ein Teil der Stadt zerstört).

Mein Herz blutet, wenn ich sage, dass solche Maßregeln unvermeidlich geworden sind, und wenn ich an die zahllosen unschuldigen Leute denke, die ihr Heim und Eigentum verloren haben infolge des barbarischen Betragens jener Verbrecher."

Anmerkung

Die USA wurden in ihrer Größe und Neutralität und Vertretung der Völkerrechte als Mittler der kriegsführenden Nationen betrachtet. Nicht nur diese geschilderten Umstände, sondern auch der aus deutscher Sicht niederträchtige Pressefeldzug alliierter Länder widersprach der Wahrheit und Empfinden der deutschen Bevölkerung.

In englischen und französischen Printmedien wurden die Deutschen nie anders als "Barbaren" oder "Hunnen" betitelt. Ein Londoner Blatt betitelte den deutschen Kaiser als "Die gekrönte Kanaille" und forderte seine augenblickliche Erschießung, wenn er in englische Hände fiele. Dem folgte dann der Fund völkerrechtswidriger Munition, die staatlich hergestellt war.

Die Nachricht, dass 5 schnelle deutsche Kreuzer ihre Arbeit, britische Handelsschiffe zum Sinken zu bringen, im Atlantischen Ozean noch fortsetzen, trotzdem sie von 24 englischen Kreuzern und außerdem von zahlreichen französischen Schiffen verfolgt werden, zeigt den Wert der Schnelligkeit.

Viele Jahre lang hat Deutschland schnelle Kreuzer gebaut, und es besitzt jetzt 9, die eine Schnelligkeit von 27 Knoten haben. Seit Ersparnisse in der britischen Marine gemacht werden mussten, um seine Parlamentsmehrheit zu befriedigen, hat sich die Admiralität so gut wie möglich mit älteren und langsamen Schiffen behelfen müssen. Sie datieren von einer Zeit vor der Erfindung der Schiffsturbinen. Der Krieg hat uns daher wohl mit einer starken Überlegenheit von Kreuzern gefunden, aber kaum einer läuft schneller als 25 Knoten, die meisten langsamer.

Es gibt keinen englischen Kreuzer im Atlantischen Ozean, dem die deutschen Kreuzer nicht entfliehen könnten. Unsere Geschäftsleute müssen nun unter diesem Mangel leben.

Die durch den Krieg offenbar gewordene wichtigste Tatsache ist die ungeheure Stärke Deutschlands, die es ermöglichte, die Russen aus Ostpreußen zu vertreiben und ihnen von der Ostsee bis zu den Karpaten entgegenzutreten, zugleich Belgien zu überrennen, die verbündeten Armeen von der Sambre bis zur Marne zu treiben und nach ihrem Rückzuge an die Aisne diese Linie zu halten, selbst die rechte Flanke auszudehnen, dabei die Belagerung Antwerpens vorzubereiten und die Angriffe gegen diese Stadt vorwärts zu führen.

Das Ende ist noch nicht da. Wer auf einen frühzeitigen Zusammenbruch der deutschen Macht rechnet, verkennt die Lage gründlich. Deutschland besitzt noch sehr große Kräfte und verfügt über außerordentliche Hilfsquellen. Es besitzt ferner eine sehr starke Stellung im Inneren. Es besteht kein Anzeichen und keine Wahrscheinlichkeit für eine innere politische Zersetzung, die manche Leute gern prophezeien. Der Kampf hat erst sein erstes Stadium erreicht. Das unmittelbare Ergebnis im Westen ist noch zweifelhaft.

Deutschland hat einen großen Vorteil vor den anderen Nationen voraus, da die Gesamtheit des Volkes eine militärische Ausbildung erhält und jeder verfügbare Mann unter den Waffen steht. Deutschland hat nicht weniger als 54 Armeekorps. Diese Menschenmasse, die sich in der Defensive hält und durch die stärksten Reihen von Festungen unterstützt wird, bedeutet eine so furchtbare Macht, dass es große, neue Opfer seitens des englischen Volkes erfordern wird, um sie zur Unterwerfung zu zwingen. Die Franzosen kämpfen tapfer in Verteidigung ihres Bodens, aber die Kraft ihrer Armeen, eine ernste Angriffsbewegung auszuführen, vermindert sich täglich.

Durch die eigenen Erklärungen Sir Edward Greys ist die Behauptung der englischen Regierung bereits als unhaltbar bewiesen worden, dass die Verletzung der belgischen Neutralität durch Deutschland das Eingreifen Englands in den gegenwärtigen Krieg veranlasst habe. Das Pathos ritterlicher Entrüstung, womit der deutsche Einmarsch in Belgien von englischer Seite zur Stimmungsmache gegen Deutschland bei den Neutralen verwertet worden ist, findet eine neue und eigenartige Beleuchtung durch gewisse Dokumente, die die deutsche Heeresverwaltung in den Archiven des belgischen Generalstabs in Brüssel aufgefunden hat.

Aus dem Inhalt einer Mappe, mit der Aufschrift "Intervention anglaise en Belgique" geht hervor, dass schon im Jahre 1906 die Entsendung eines englischen Expeditionskorps nach Belgien für den Fall eines deutsch-französischen Krieges in Aussicht genommen war.

Nach einem vorgefundenen Schreiben an den belgischen Kriegsminister vom 10. April 1906 hat der Chef des belgischen Generalstabs mit dem damaligen englischen Militärattaché in Brüssel Oberstleutnant Barnardiston auf dessen Anregen in wiederholten Beratungen einen eingehenden Plan für gemeinsame Operationen eines englischen Expeditionskorps von 100.000 Mann mit der belgischen Armee gegen Deutschland ausgearbeitet.

Der Plan fand die Billigung des Chefs des englischen Generalstabs Geierson. Dem belgischen Generalstab wurden alle Angaben über Stärke und Gliederung der englischen Truppenteile, über die Zusammensetzung des englischen Expeditionskorps, die Ausschiffungspunkte, eine genaue Zeitberechnung für den Abtransport und dergleichen geliefert. Auf Grund dieser Nachrichten hat der belgische Generalstab den Transport der englischen Truppen in das belgische Aufmarschgebiet, ihre Unterbringung und Ernährung dort eingehend vorbereitet.

Bis in alle Einzelheiten ist das Zusammenwirken sorgfältig ausgearbeitet worden. So sollten der englischen Armee eine große Anzahl Dolmetscher und belgische Gendarmen zur Verfügung gestellt und die nötigen Karten geliefert werden.. Selbst an die Versorgung englischer Verwundeter war bereits gedacht worden. Dünkirchen, Calais und Boulogne waren als Ausschiffungspunkte für die englischen Truppen vorgesehen. Von hier aus sollten sie mit belgischem Eisenbahnmaterial in das Aufmarschgebiet gebracht werden. Die beabsichtigte Ausladung in französischen Häfen und der Transport durch französisches Gebiet beweist, dass den englisch-belgischen Vereinbarungen solche mit dem französischen Generalstab vorausgegangen waren.

Die drei Mächte haben die Pläne für ein Zusammenarbeiten der verbündeten Armeen, wie es in dem Schriftstücke heißt, genau festgelegt. Dafür spricht auch, dass in den Geheimakten eine Karte des französischen Aufmarsches aufgefunden worden ist.

Das erwähnte Schreiben enthält einige Bemerkungen von besonderem Interesse. Es heißt dort an einer Stelle, Oberstleutnant Barnardiston habe bemerkt, dass man zurzeit auf die Unterstützung Hollands nicht rechnen könne. Er habe ferner vertraulich mitgeteilt, dass die englische Regierung die Absicht habe, die Basis für den englischen Verpflegungsnachschub nach Antwerpen zu verlegen, sobald die Nordsee von allen deutschen Kriegsschiffen gesäubert sei.

Des weiteren regt der englische Militärattaché die Einrichtung eines belgischen Spionagedienstes in der Rheinprovinz an.

Englands armselige Leistungen im bisherigen Verlaufe des Krieges haben seine Verbündeten enttäuscht und ihm viele Freunde entfremdet. Die leitenden Geister Englands, das um seine Existenz kämpft, haben sich schwächlich, zögernd und unfähig zur Initiative gezeigt.

Was ist aus der britischen Seeherrschaft geworden? Ist der alte Geist tot?

Deutschlands Marine ist eine Schöpfung der jüngsten Vergangenheit und doch haben ihre Offiziere und Matrosen bisher Wunder von Mut und Leistungsfähigkeit getan, während die in ihrer Größe überwältigende britische Flotte von Fäulnis erfasst zu sein scheint. Die Verbündeten haben ein Recht, von England mehr zu erwarten, als es bisher geleistet hat.

Jetzt ist nicht Zeit, rückwärts zu blicken und auf alten Lorbeeren auszuruhen. Die Schwächung britischen Prestiges schadet den Verbündeten sehr und entfremdet ihnen alle Sympathien.

Wenn England sich selbst nicht helfen kann, wie kann es von anderen erwarten, dass sie ihm helfen?

Falls England keine überragenden Befehlshaber besitzt, denen es vertrauen kann, so möge es sich an die bedeutenden Männer unter seinen Verbündeten wenden. Möge es die ganze Arbeit ihnen überlassen, da es dieses ja schon mit dem größten Teil der Arbeit getan hat. Möge es die ganze britische Flotte dem Admiral Togo von Japan übergeben, wenn seine eigenen Führer die Wiederholung der erstaunlichen Beschießung eines britischen Hafens (Anmerkung: gemeint ist die Beschießung von Yarmouth am 03.11.1914) möglich erscheinen lassen.

Am 14. November wurde in der Fatihmoschee in Konstantinopel das Fetwa (islamisches Gutachten/Bewertung) des Scheich ül Islam, des obersten Entscheiders über Glaubensfragen, verlesen:

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"Wenn sich mehrere Feinde gegen den Islam vereinigen, wenn Länder des Islam geplündert, die muselmanische Bevölkerung niedergemetzelt und gefangen genommen wird, und wenn in diesem Falle der Padischah des Islam nach den heiligen Worten des Korans den heiligen Krieg verkündigt, ist dieser Krieg Pflicht aller Muselmanen, aller jungen und alten muselmanischen Fußsoldaten und Reiter, und müssen sich alle islamischen Länder mit Gut und Blut beeifern, den Dschihad zu führen? Antwort: Ja.

Die muselmanischen Untertanen Russlands, Frankreichs und Englands und der Länder, die jene unterstützen, die auf diese Weise das Kalifat mit Kriegsschiffen und Landheeren angreifen und den Islam zu vernichten trachten, müssen auch sie den heiligen Krieg gegen die Regierungen, von denen sie abhängen, führen? Antwort: Ja.

Jene, die statt den heiligen Krieg zu führen, in einem Zeitpunkte, wo alle Muselmanen dazu aufgerufen sind, daran teilzunehmen vermeiden, sind sie dem Zorn Gottes, dem großen Unheil und der verdienten Strafe ausgesetzt? Antwort: Ja.

Begeht die muselmanische Bevölkerung der genannten Mächte, die gegen die islamische Regierung Krieg führen, eine große Sünde, selbst wenn sie unter Androhung des Todes und der Vernichtung ihrer ganzen Familien zur Teilnahme am Kriege gezwungen worden ist? Antwort: Ja.

Wenn Muselmanen, die sich in dem gegenwärtigen Kriege unter der Herrschaft Englands, Frankreichs, Russlands, Serbiens, Montenegros und jener Staaten befinden, die diesen Hilfe leisten, gegen Deutschland und Österreich-Ungarn, die der Türkei beistehen, Krieg führen würden, verdienen sie den Zorn Gottes, weil sie dem islamischen Kalifat Nachteil verursachen? Antwort: Ja."

Damit war in Asien und Nordafrika der Krieg zum Religionskrieg geworden.

Tagesbefehl des Oberbefehlshabers (Feldzeugmeister Potiorek) der österreichisch-ungarischen Streitkräfte:

Österreich-Ungarn

Österreich-Ungarn

Nach neuntägigen heftigen Kämpfen gegen einen hartnäckigen, an Zahl überlegenen, in fast unbezwinglicher Befestigung sich verteidigenden Gegner, nach neuntägigen Märschen durch unwegsame Felsgebirge und grundlose Sümpfe bei Regen, Schnee und Kälte haben die tapferen Truppen der V. Und VI. Armee die Kolubara (Anmerkung: Fluss in Serbien) erreicht und den Feind zur Flucht gezwungen. Über 8.000 Gefangene wurden in diesem Kämpfen gemacht, 42 Geschütze, 31 Maschinengewehre und reiches Kriegsmaterial erobert.

Das Vaterland wird dieser Leistung seine Dankbarkeit und Bewunderung nicht versagen.

Österreich-Ungarn

Österreich-Ungarn

Die nach dem siegreichen Vorgehen in Serbien erfolgte Zurücknahme unserer Kräfte hat verschiedene, teilweise ganz unbegründete Gerüchte entstehen lassen. Es soll daher hiermit auf Grund jener Erhebungen, die ohne Verzug auf aller höchsten Befehl durch eine hohe militärische Vertrauensperson an Ort und Stelle gepflogen worden sind, Aufklärung gegeben werden.

Nach den erkämpften Erfolgen hatte das Oberkommando der Balkanstreitkräfte die Erreichung des idealen Zieles aller Kriegsführung, die völlige Niederwerfung des Gegners ins Auge gefasst, dabei aber zu überwindenden Schwierigkeiten nicht genügend Rechnung getragen.

Infolge der Ungunst der Witterung waren die wenigen, durch unwirtliches Terrain führenden Nachschublinien in einen solchen Zustand geraten, dass es unmöglich wurde, die Armee die notwendige Verpflegung und Munition zuzuführen. Da gleichzeitig der Feind neue Kräfte gesammelt hatte und zum Angriff überging, musste die Offensive abgebrochen werden, und es war ein Gebot der Klugheit, die Armee nicht unter ungünstigen Verhältnissen zum entscheidenden Kampfe zu stellen. Unsere in Serbien eingedrungenen Streitkräfte sind, den widrigen Verhältnissen nachgebend, zurückgegangen. Sie sind aber nicht geschlagen, sie sehen ungebrochenen Mutes neuen Kämpfen entgegen. Wer unsere braven Truppen nach dem beschwerlichen Rückzug gesehen hat, der musste erkennen, welch hoher Wert in ihnen wohnt. Dass wir bei diesem Rückzuge empfindliche Verluste an Mann und Material hatten, war unvermeidlich. Hierbei sei festgestellt, dass die über das Maß unserer Verluste verbreiteten Nachrichten über die Tatsachen weit hinausgehen.

Seit einer Reihe von tagen stehen die vom allerbesten Geiste beseelten Truppen in guten Unterkünften. Sie werden mit allem Erforderlichen versehen. Sie harren ihrer ferneren Verwendung. Bisher kam es an den Grenzen nur zu unbedeutenden Plänkeleien zwischen Patrouillen.

Seine Majestät geruhten, den bisherigen Oberkommandanten auf seine aus Gesundheitsrücksichten gestellte Bitte vom Kommando zu entheben und an seine Stelle seine Kaiserliche und Königliche Hoheit den General der Kavallerie, Erzherzog Eugen, zu ernennen. Die Nachricht, dass Höchstderselbe das so wichtige Kommando über die Balkanstreitkräfte übernimmt, wird in der Armee, in der der Erzherzog höchstens Vertrauen und begeisterte Verehrung genießt, mit dankbarem Jubel aufgenommen werden.

Brief von Winston Churchill an den Bürgermeister von Scarborough anlässlich des wiederholten Beschusses durch deutsche Marineeinheiten:

"Nichts beweist deutlicher die Wirksamkeit des britisches Druckes zur See, als der wahnsinnige Hass, der unsere Gegner erfüllt. Er umwölkt ihr Gesichtsfeld, beschattet ihre Beratungen, lässt ihre Bewegungen krampfhaft werden. Wir sehen ein Volk von militärischen Rechenkünstlern, die ihre Berechnungen in den Wind schlagen, von Strategen, die den Sinn für Verhältnismäßigkeit verloren haben, von Plänemachern, die aufgehört haben, Gewinn und Verlust abzuwägen.

Die ganze in Frage kommende schnelle Kreuzerflotte der Deutschen mit Einschluss einiger unentbehrlicher und unersetzlicher großer Schiffe ist für das kurze Vergnügen, so viele Engländer als möglich in der beschränkten verfügbaren Zeit zu töten – ohne Rücksicht auf das Alter, Geschlecht oder Gesundheitszustand – aufs Spiel gesetzt worden. Zu diesem Akt militärischen und politischen Wahnsinns wurden sie von der Leidenschaft ihrer Gefühle genötigt, die sie sich sonst nicht Luft machen konnten. Das gereicht uns zur lebhaften Genugtuung und sollte uns auf unserem Wege bestärken. Ihr Hass ist das maß ihrer Furcht. Sein sinnvoller Ausdruck ist der Beweis ihrer Ohnmacht und das Siegel ihrer Schmach. Was für Waffentaten die deutsche Marine hiernach noch ausführen möchte, das Stigma des Kindesmordes von Scarborough wird ihre Offiziere und Mannschaften brandmarken, solange Seeleute die Wellen befahren."

Folgender Armeebefehl Joffres wurde am 21.12.1914 bei einem gefallenen französischen Offizier aufgefunden:

"Seit Monaten sind die heftigen und ungezählten Angriffe nicht imstande gewesen, uns zu durchbrechen. Überall haben wir ihnen siegreich widerstanden. Der Augenblick ist gekommen, um die Schwäche auszunützen, die sie uns bieten, nachdem wir uns verstärkt haben an Menschen und Material. Die Stunde des Angriffs hat geschlagen. Nachdem wir die deutschen Kräfte in Schach gehalten haben, handelt es sich darum, sie zu brechen und unser Land endgültig von den Eindringlingen zu befreien. Weit mehr als jemals rechnet Frankreich auf euren Mut, eure Energie und euren Willen, um jeden Preis zu siegen. Ihr habt schon gesiegt an der Marne, an der Yser, in Lothringen und in den Vogesen. Ihr werdet zu siegen verstehen, bis zum schließlichen Triumph."

Streckung der vorhandenen Getreidevorräte

Deutsches Kaiserreich

Deutsches Kaiserreich

Weizenbrot darf in den Verkehr gebracht werden, wenn zur Bereitung auch Roggenmehl verwendet ist.

Der Gehalt an Roggenmehl muss mindestens 10 Gewichtsanteile auf 90 Gewichtsanteile Weizenmehl betragen.

Roggenbrot darf in den Verkehr nur gebracht werden, wenn zur Bereitung auch Kartoffeln verwand sind.

Der Kartoffelgehalt muss bei Verwendung von Kartoffelflocken, Kartoffelwalzmehl oder Kartoffelstärkemehl mindestens 5 Gewichtsanteile auf 95 Gewichtsanteile Roggenmehl betragen.

Roggenbrot, zu dessen Bereitung mehr Gewichtsanteile Kartoffeln verwendet sind, muss mit dem Buchstaben „K“ bezeichnet werden. Beträgt der Kartoffelgehalt mehr als 20 Gewichtsanteile, so muss dem Buchstaben „K“ die Zahl der Gewichtsanteile in arabischen Ziffern hinzugefügt werden.

Werden gequetschte oder geriebene Kartoffeln verwandt, so entsprechen 4 Gewichtsanteile einem Gewichtsanteil Kartoffelflocken, Kartoffelwalzmehl oder Kartoffelstärkemehl.

Bäcker und Brotverkäufer haben einen Abdruck dieser Verordnung in ihren Kaufräumen auszuhängen. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 1.500 Mark bedroht.

Die Bestimmungen gelten nicht für Brot, das aus dem Ausland eingeführt wird.

Die Verordnung über den Verkehr mit Brot tritt mit dem 1. Dezember 1914 in Kraft.

Die dritte Bekanntmachung bestimmt, dass das Verfüttern von mahlfähigem Roggen und Weizen, auch geschrotet, sowie von Roggen- und Weizenmehl, das zur Brotbereitung geeignet ist, verboten ist.

Nur soweit dringende wirtschaftliche Bedürfnisse vorliegen, können die Landeszentralbehörden das Verfüttern von Roggen, der in landwirtschaftlichen Betrieben des Viehhalters erzeugt ist, für das in diesem Betrieb gehaltene Vieh allgemein, für bestimmte Gegenden und bestimmte Arten von Wirtschaften im Einzelfall zulassen.

Die Verordnung über das Ausmahlen von Getreide endlich bestimmt, dass zur Herstellung von Roggenmehl der Roggen mindestens 72 Prozent durch zu mahlen ist. Zur Herstellung von Weizenmehl ist der Weizen mindestens bis zu 75 Prozent durch zu mahlen. Zuwiderhandlungen werden ebenfalls mit Geldstrafe bis zu 1.500 Mark bedroht.