1915

Amtliche Mitteilungen

Hier finden Sie Stoff zum Lesen. Anders als in der Propagandataktik des 2. Weltkrieges dienten die Heeresberichte als reine Informationsquelle. Im 2. Weltkrieg galten diese Berichte von deutscher Seite als unglaubwürdig. Wer sich informieren wollte hörte "Feindsender".

Im 1. Weltkrieg verhielt es sich anders. Die deutschen Heeresberichte wurden "als sehr genau" bezeichnet. Presseveröffentlichungen auf Seiten des Deutschen Reiches und Österreich-Ungarns stützten sich auf diese Berichte ebenso auf amtliche Mitteilungen örtlicher Kommunalverwaltungen.

Auch international galten Berichterstattungen besonders von der deutschen Seite als glaubwürdiger. Das Deutsche reich war auch schließlich die Nation, die sich immer wieder an die USA wendeten, die bis zum Kriegsbeitritt eine Vermittlerrolle einnahm. Dies und gerade besonders, wenn von Seiten der Entente gegen internationale Gesetze verstoßen wurde, wie zum Beispiel die Verwendung von DUM-DUM-Geschossen von Seiten Frankreichs.

Auf Seiten der Entente wurden die Printmedien weitaus mehr für propagandistische Zwecke entdeckt.

Hier wurde alles mögliche angestrengt, um die verhassten Hunnen in jeglicher Lage zu diffamieren und zu diskreditieren. Die USA wurde nicht als Vermittler gesehen, sondern als eine Nation, die es galt, auf ihrer Seite und zum Kriegseintritt zu bringen.

In der Kategorie "Heeresberichte" finden sich Mitteilungen aus den deutsch/österr.-ungar. Hauptquartieren und unter "Amtliche Mitteilungen" eben solche von Kommunalverwaltungen und internationalen Presse.

Ich lasse diese für den Leser unkommentiert.

Januar 1915

Wolffs-Telegraphen-Bureau vermeldet:

Wolffs-Telegraphen-Bureau vermeldet:

Einen knappen Tagesmarsch von Soissons entfernt (also nicht allzu weit entfernt von dem Kampf vom 13. und 14. Januar) kam es zu erfolgreichen Kampfhandlungen.

Der Kampf fand auf der Hochebene von Carcassonne statt. Das Gehöft Hurtebise liegt von der französischen Artillerie gänzlich zerschossen dicht hinter der Mitte der deutschen Stellungen, aus denen heraus der Angriff erfolgte.

Ost- und westwärts an das Gehöft anschließend folgten die deutschen Schützengräben dem Chemin-des-Dames, einem die Hochfläche von Craonne entlang führenden Höhenweg.

Den deutschen Gräben gegenüber lagen die französischen in dreifacher Reihe.

Die vorderste Linie der Franzosen nahm ganz ähnlich wie bei Soissons den Südrand der Hochfläche und damit eine für infanteristische Wirkung und artilleristische Beobachtung günstige Stellung ein. Dazu stützte sich der linke Flügel auf ein starkes, wohl ausgebautes Erdwerk, und die Mitte besaß in der Höhle von Crente einen bombensicheren Unterschlupf für stärkere Reserven.

Es galt den Franzosen die erwähnten Stellungen samt Erdwerk und Höhle zu entreißen. Nach ausgiebigen artilleristischen Vorbereitungen schritt unsere Infanterie, die unter dem Befehl der General von Gersdorff und von der Planitz stand, während der Oberbefehl in den Händen des Generals d'Elsa lag, auf der ganzen Linie zum Angriff.

Binnen wenigen Minuten war das ganze Erdwerk und die durch das Feuer unserer Artillerie erschütterte erste französische Linie erstürmt. Kurz darauf war auch die zweite Linie in deutschen Händen. Über die Höhe hinweg ging dann der Sturm gegen die dritte und letzte Stellung des Feindes. Binnen einer halben Stunde war der Angreifer im Besitz des Erdwerkes und der dritten Linie mit Ausnahme des linken Angriffsflügels, wo der Feind erbitterten Widerstand leistete. Auch die Höhle selbst, die nur einen nach Süden gerichteten schmalen Ausgang hatte, war noch im französischen Besitz.

Während sich unsere Truppen bereits südlich der Höhle in den eroberten Stellungen einrichteten, wurde der Höhleneingang umstellt und unter Maschinengewehrfeuer genommen. Es wurde Mitternacht, bis sich die hier eingeschlossenen Besatzung von rund 300 Köpfen ergab.

Auf dem linken Angriffsflügel dauerten die Kämpfe bis zum 26. Januar, 5 Uhr morgens. Zu dieser Stunde war auch hier der Widerstand des Feindes endgültig gebrochen und der Angreifer auf einer Frontbreite von 1500 Meter im Besitz des von ihm gesteckten Zieles der drei französischen Linien.

5 Offiziere, 1100 Mann, 8 Maschinengewehre, 1 Scheinwerfer und ein großes, in die Höhle niedergelegtes Pionierdepot waren in deutsche Hände gefallen.

Bei den französischen Gefangenen und Toten (mindestens 1500) wurden die Nummern der Regimenter 18, 34, 49, 143, 218 und 249 festgestellt. Sie gehören zum 18. franz. Armeekorps.

Seit dem 17.Dezember 1914, dem Tage, an dem General Joffre die allgemeine Offensive befahl, ist ein voller Monat ins Land gegangen, ohne dass es den Verbündeten gelungen ist, unsere ausgedehnten Linien an irgendeiner Stelle zu durchbrechen.

Zwischen Reims und den Argonnen haben die Franzosen besonders große Anstrengungen gemacht.

Ihr Angriff begann dort am 20. Dezember 1914 und brachte an diesem ersten Tag unbedeutende Teile unserer Schützengräben in ihre Hand – Schützengräben, die sich aus der allgemeinen Verteidigungsfront nach und nach feindwärts verschoben hatten und einem konzentrischen Angriff daher besonders ausgesetzt waren. In ununterbrochenen Angriffen haben sich die Franzosen bemüht, diesen anfangs errungenen Vorteil zu erweitern. Täglich lag das vereinigte Feuer ihrer schweren Batterien auf bestimmten Teilen unserer Front.

Beinahe täglich stürmte die französische Infanterie gegen unsere Gräben vor. Immer dichter wurde das Totenfeld vor unserer Front, immer größer die Zahl der französischen Gefangenen.

Die englische Presse ist über den Angriff der deutschen Luftflotte an der englischen Küste entrüstet und glaubt, dass die neutralen Staaten, insbesondere Amerika, ihre Entrüstung teilen müssten. Wir haben auch mehrere Briefe erhalten, in denen wir aufgefordert werden, einen allgemeinen Protest der neutralen Länder gegen die deutsche Kriegsführung zu veranlassen.

Dazu müssen wir aber sagen, Krieg ist Krieg. Ebenso wie unschuldige Grenzländer unter den furchtbaren Folgen des Krieges leiden, Städte und Dörfer zerstört und Weiber und Kinder in Kälte, Dunkel und Hungerelend hinaus gejagd werden, ebenso kann sich England, das sich bisher durch seine insulare Lage sicher fühlte, nicht darüber beklagen, dass auch Städte, die an der Grenze Englands am Meere liegen, vom Kriege betroffen werden.

Was bedeutet der Tod einiger Menschen gegen die allgemeinen Kriegsgräuel! Wir haben alsdann keine Veranlassung, die deutsche Kriegsführung zu verteidigen, müssen aber doch sagen, was dem einem recht ist, ist dem anderen billig.

Der deutsche Luftschiffangriff wurde nicht unternommen, um einzelne Bürger oder Frauen oder Kinder zu töten, sondern um dem feinde Schaden zuzuführen, der Deutschland auszuhungern wünscht. Wahrscheinlich ist eine ganze Reihe derartiger Luftangriffe geplant, die vermutlich mit einem Angriff auf London abschließen werden, was ein völlig vernünftiges und berechtigtes Glied in der Kette wäre.

Ist da Grund vorhanden, sich darüber mehr zu ärgern, als über andere Grausamkeiten, die ein Krieg im Gefolge hat?

Dass die Engländer sich über derartige Angriffe ärgern, ist ganz in der Ordnung, aber wir Neutralen können verstehen, dass Krieg Krieg ist, ebenso für die Engländer wie für die Deutschen.

Anmerkung: Am 10. Januar 1915 erschien ein Geschwader von 16 Flugzeugen über der Themsemündung. Es beschoss Dover und richtete erheblichen Schaden an.

In der Nacht vom 19. auf den 20. Januar 1915 führten drei deutsche Marineluftschiffe einen Angriff auf befestigte Orte der englischen Ostküste aus. Diese Umstände trieben die englische Regierung und Presse zu dem oben erwähnten Aufrufen.“

Anfang Februar 1915: Telegramm des russischen Generals Iwanow an seinen Waffenbruder General Scheidemann

"Während meiner Anwesenheit in Warschau sah ich auf den Straßen der Stadt eine ungewöhnlich große Anzahl von Offizieren, Militärärzten und Militärbeamten, die hauptsächlich mit Frauen promenierten. Dies beweist die Untätigkeit dieser Militärs, einen vollständigen Mangel an Pflichtbewusstsein und mangelnde Aufsicht seiner Vorgesetzten, die eine solche Entfernung vom Dienst zulassen.

Diese Ungehörigkeit hat von Morgen an zu unterbleiben. Sämtliche Offiziere haben sich sofort zu ihren Truppenteilen zu begeben, wo sie sich beständig aufzuhalten haben. Sie dürfen nicht vergessen, dass wir uns jetzt in einem Kriege befinden. Die kommandolosen Offiziere sind spätestens Morgen zur Verfügung des Kommandanten meines Stabes zu stellen zwecks Kommandierung zu den Ersatz brauchenden Truppenteilen.

Alle Offiziere und Militärbeamte haben während der Kriegszeit die Mannschaften auszubilden oder ihren sonstigen Dienst zu versehen. Die freien Stunden der Erholung sind bei den Truppenteilen zu verbringen. Alle Ausschreitungen müssen vermieden werden, um nicht den Truppen ein böses Beispiel zu geben und das Vertrauen zu untergraben."

"Seine Kaiserliche Hoheit hat seine Aufmerksamkeit darauf gerichtet, dass in der ganzen Kriegsperiode einige Korps und Divisionen eine große Anzahl Geschütze und Maschinengewehre verloren haben, wobei die Höhe der Verluste nicht immer der Gefechtslage entsprochen hat. Seine Kaiserliche Hoheit befiehlt aus diesem Grunde, die Kommandeure der Truppenteile darauf aufmerksam zu machen, dass es notwendig sei, das Kriegsmaterial etwas mehr zu schonen wegen der Schwierigkeit seines Ersatzes, und weil es äußerst unerwünscht ist, dass unsere Gegner durch das Zurücklassen unserer Geschütze und Maschinengewehre bereichert werden. Gleichzeitig befiehlt seine Kaiserliche Hoheit, alle Kommandeure, die sich einer ungenügenden Schonung des Geschütz- und Maschinengewehrmaterials schuldig machen, in Strafe zu nehmen."

Von Anfang Februar 1915

"Die Deutschen zeigen die dämonische Behändigkeit von Räubern und die Bosheit tierähnlicher Wesen. Sie ließen unsere Truppen in einer Ausdehnung von 25 Werst ( eine Werst ca. 1066,78 Meter) nicht zu Atem kommen. Sie wenden die unglaublichsten Kriegslisten an."

11. Februar 1915

Die russischen Heere marschieren fest auf ihr Ziel zu und sichern den glücklichen Augenblick des schließlichen Triumphs über den Feind, der sich einen leichten Sieg vortäuscht und verzweifelte Anstrengungen macht.

Anmerkung im Vorwege:

Die hier geschilderten Umstände sollen ein Auszug einer "Deutschen Denkschrift" anlässlich der Verbrechen sein. Diese wiederum sollen in einem Weißbuch der Kaiserlich Österreichischen und Königlich Ungarischen Regierung zur Verfügung gestanden haben.

Über die russische Besatzung Ostpreußens 1914/15 sind Hinweise im Internet auf antiquarische Bücher, u.a. von Dr. Fritz Gause, zu finden, die sich auch mit diesem Thema beschäftigen. Es gibt auch andere Schilderungen, die solche und/oder andere Grausamkeiten zu bestätigen scheinen.

Wie an anderer Stelle schon geschrieben, möchte ich keine Bewertung vornehmen. Ausdrücklich distanziere ich mich von Gedanken eines möglichen Revanchismus!

Das Geschilderte mag so oder so ähnlich stattgefunden haben, wie andere Umstände auch, die generell zu verurteilen sind, egal von wem oder welcher Nation auch immer sie begangen wurden.

Denkschrift der deutschen Regierung

Flagge der Provinz Ostpreußen

Flagge der Provinz Ostpreußen

Die russischen Truppen haben im gegenwärtigen Krieg Gräueltaten begangen, die mit den Geboten der Menschlichkeit wie mit den Gebräuchen zivilisierter Völker unvereinbar sind und ihre Kriegführung als eine geradezu barbarische erscheinen lassen. Die Gräueltaten richteten sich sowohl gegen die friedliche Bevölkerung der von ihnen besetzten deutschen Gebietsteile, als auch gegen deutsche Soldaten, die in ehrlichem Kampf ihnen gegenüberstanden und das Unglück hatten, in ihre Gefangenschaft zu geraten.

Nach dem anliegenden Material handelt es sich nicht etwa um einzelne Rohheiten und Gewalttätigkeiten, sondern es sind an so vielen Stellen und bei so vielen Truppenteilen Gräueltaten selbst bestialischer Art vorgekommen, dass jedenfalls ein sehr großer Teil der russischen Armee von dem Geiste unmenschlicher Grausamkeit durchsetzt erscheint. Aus der großen Zahl der bereits bekanntgewordenen Fälle werden in den Anlagen diejenigen aufgeführt, die durch amtliche, insbesondere eidliche Vernehmungen oder dienstliche Meldungen einwandfrei festgestellt worden sind. Diese Fälle können indes nur als eine Auslese der tatsächlich vorgekommenen ungezählten Gräueltaten angesehen werden.

Es ist aller Welt bekannt, dass infolge der barbarischen Kriegführung der Russen vorher blühende Teile Ostpreußens jetzt ein Bild trostloser Verwüstung bieten, dass ganze Ortschaften niedergebrannt und verödet sind, dass die friedlichen Bewohner, um sich vor Raub und Mord zu retten, flüchten und Hab und Gut im Stich lassen mussten. Nach amtlichen Feststellungen sind bei dem ersten wie bei dem zweiten Einfall der Russen in Ostpreußen Tausende ermordet, etwa 20.000 Gebäude zerstört oder eingeäschert und allein bei dem zweiten Einfall etwa 80.000 Wohnungen ausgeplündert und verwüstet worden. Auch die letzte russische Unternehmung gegen Memel kennzeichnet sich als ein wüster, von Schandtaten aller Art begleiteter Raubzug. Welche Gewalttätigkeiten und Grausamkeiten die Bewohner im einzelnen erduldet haben, dafür legen die in den Anlagen enthaltenen Bekundungen ein beredtes und erschreckendes Zeugnis ab.

In jeder denkbaren Art haben die russischen Truppen die bewegliche Habe der Armen wie der Wohlhabenden gestohlen, geraubt, geplündert oder mutwillig zerstört. Vieh und Vorräte wurden ohne Bezahlung und ohne Ausstellung von Gutscheinen weggenommen, Männer und Frauen mussten den geldgierigen Soldaten ihren letzten Groschen geben. Die Wohnungen wurden durchsucht und daraus geplündert, was dem einzelnen in die Augen stach. Oft von verschiedenen Truppenteilen hintereinander. Schließlich wurden sinn- und zwecklose Häuser, Wirtschaftsgebäude und Vorräte in Brand gesteckt und dadurch vernichtet.

Die Bevölkerung, darunter auch Frauen und Kinder, wurde unter nichtigen Vorwänden oder ohne jeden Grund misshandelt, obwohl sie alles tat, um die Wünsche der russischen Soldaten wegen Unterkunft und Verpflegung zu befriedigen.

Diese Misshandlungen waren zum Teil von ausgesuchter Grausamkeit:

So wurden in einem Falle die männlichen Bewohner eines ganzen Ortes, darunter der Amtsrichter, unter gleichzeitiger Bedrohung mit dem Tode ausgepeitscht.

Auf Flüchtlinge wurde ohne weiteres geschossen.

Vor allem aber wurden zahlreiche friedliche Bürger ohne jeden Anlass, zum Teil sogar unter furchtbaren Martern oder in Gegenwart ihrer Angehörigen, ermordet.

Junge Leute, die nichts begangen hatten wurden, nur weil sie militärpflichtig waren, erschossen.

Ein Flüchtlingstransport wurde überfallen. Die Männer von den Frauen getrennt und ohne irgendwelches Verfahren getötet.

Ein Oberförster, der einen Transport deutscher Strafgefangener begleitete, wurde von russischen Truppen gefangen genommen, vor den General Rennenkampf geführt und, anscheinend auf dessen berüchtigten Befehl, alle deutschen Förster zu töten, kurzerhand erschossen.

Selbst vor Greisen, Frauen und Kindern machte die brutale Mordwut der russischen Soldaten nicht halt. Besonders schwer liegt der Fall der Ermordung eines kleinen Mädchens von zwei oder drei Jahren.

Grauenhaft ist die Feststellung, wie eine ganze Familie der Mordlust russischer Soldaten zum Opfer gefallen ist:

Der Mann war am Tische, ein Kind an der Tür festgenagelt, der Frau waren die Brüste abgeschnitten und der Leib aufgeschlitzt.

In einem anderen Fall waren Mann und Frau mit den Jungen an den Tisch genagelt, so dass sie durch Hunger und Blutverlust zugrunde gingen.

Zahllos sind endlich die Fälle bestialischer Vergewaltigungen von Mädchen und Frauen. Vielfach wurden die bedauernswerten Opfer von mehreren Soldaten nacheinander missbraucht, teilweise auch mit Geschlechtskrankheiten von ihnen angesteckt, hochschwangere Frauen fielen den viehischen Lüstlingen zum Opfer, selbst Greisinnen über 70 Jahre wurden nicht verschont.

Ein kleines Mädchen von acht Jahren wurde von zwei russischen Soldaten hintereinander vergewaltigt. Auch Offiziere haben sich zu solchen taten hinreißen lassen.

Über die Gräueltaten, die von russischen Truppen an deutschen Kriegsgefangenen verübt worden sind, geben weitere Anlagen Aufschluss. In zahlreichen Fällen sind gefangene deutsche Soldaten ausgeraubt, angespien oder sonst grundlos misshandelt worden. Ein russischer Offizier hat deutsche Soldaten, welche der Ihrigen nicht verraten wollten, mit dem Tode bedroht und tatsächlich einen von ihnen erschießen lassen.

Russische Truppen haben Gefangene in enge Erdlöcher vor ihrer Artilleriestellung eingesperrt, in der augenscheinlichen Absicht, sie durch das deutsche Feuer töten zu lassen.

Kosaken haben gefangenen deutschen Soldaten im Vorbeireiten die Köpfe abgeschlagen und andere schwer verletzt oder durch Abschneiden von Gliedmaßen verstümmelt.

Ein deutscher Gefangener wurde in grausamster Weise an ein Göpelwerk (Anmerkung: mechanische Antriebsvorrichtung) gebunden, um dort Hungers zu sterben.

In einer Scheune wurden drei Husaren mit den Köpfen nach unten hängend aufgehängt und mit abgeschnittenen Nasen und Ohren aufgefunden, so dass sie unter furchtbaren Qualen gestorben sein müssen.

Auch von barbarischer Verstümmelung und Hinmordung verwundeter deutscher Soldaten sind die russischen Horden nicht zurückgeschreckt. So haben sie Verwundeten die Verbände abgerissen, um sie verbluten zu lassen. Anderen sind die Augen ausgestochen, die Zunge, die Ohren, die Finger und die Füße abgeschnitten und die Schädel eingeschlagen worden.

In verschiedenen Fällen haben die Gräueltaten sogar den Charakter teuflischer Marterungen angenommen. Es waren einem Leichtverwundeten, der mit einem Seitengewehr durch den Mund hindurch auf den Holzboden einer Veranda festgenagelt war, die Fleischteile an den Unterarmen vom Ellbogen bis zur Handwurzel abgeschält, auch die Finger bis zur Handwurzel auseinander geschnitten worden.

Ein anderer, der eine Schädelverletzung erlitten hatte, war mit einem Kalb in einem Stall derartig zusammengebunden, dass das Tier bei jeder Bewegung mit dem Maul das bloßgelegte Gehirn berühren musste.

Das Ungeheuerlichste aber ist ein bei einem höheren russischen Offizier vorgefundener Befehl der Obersten russischen Heeresleitung, beim Angriff alle männlichen Einwohner in arbeitsfähigem Alter von zehn Jahren ab vor den Sturmkolonnen herzutreiben. Dieser scheußliche Befehl, durch den der russische Oberbefehlshaber seinen Namen für alle Zeiten an den Pranger gestellt hat, war offenbar in der Absicht gegeben, dass die deutschen Soldaten, um den russischen Angriff zu begegnen, ihre eigenen Angehörigen niederschießen sollten.

Die kaiserlich deutsche Regierung glaubte, dieses barbarische, jedem Kriegsgebrauch wie jeder Menschlichkeit hohnsprechende Verhalten der russischen Truppen vor aller Welt brandmarken zu sollen, und legt hiermit gegen deren unerhörte Gräueltaten, als gegen eine Schande des zwanzigsten Jahrhunderts, auf das schärfste und feierlichste Verwahrung ein.

Schriftstück des italienischen Botschafters in Wien an die K. U. K. Regierung:

Den Befehlen seiner Majestät des Königs, seines erhabenen Herrschers, entsprechend, hat der unterzeichnete königlich italienische Botschafter die Ehre, seiner Exzellenz den Herrn österreichisch-ungarischen Minister des Äußeren folgende Mitteilung zu übergeben:

Am vierten des Monats wurden der k. und k. Regierung die schwerwiegenden Gründe bekannt gegeben, weshalb Italien im Vertrauen auf sein gutes Recht seinen Bündnisvertrag mit Österreich-Ungarn, der von der k. und k. Regierung verletzt worden war, für nichtig und von nun an wirkungslos erklärt und seine volle Handlungsfreiheit in dieser Hinsicht wieder erlangt hat. Fest entschlossen mit allen Mitteln, über die sie verfügen, für die Wahrung der italienischen Rechte und Interessen Sorge zu tragen, kann die königliche Regierung sich nicht ihrer Pflicht entziehen, gegen jede gegenwärtige und zukünftige Bedrohung zum Zwecke der Erfüllung der nationalen Aspirationen jene Maßnahmen zu ergreifen, die ihr die Ereignisse auferlegen. Seine Majestät der König erklärt, dass er sich von morgen ab, als im Kriegszustand mit Österreich-Ungarn befindlich betrachtet.

Der unterzeichnete hat die Ehre, seiner Exzellenz, dem Herrn Minister des Äußeren gleichzeitig mitzuteilen, dass noch heute dem k. und k. Botschafter in Rom die Pässe zur Verfügung gestellt werden, und er wäre seiner Exzellenz dankbar, wenn Ihnen die seinen übermittelt würden.

Gezeichnet: Avarna

Antwort des Kaiser Franz Joseph auf die italienische Kriegserklärung

Österreich-Ungarn

Österreich-Ungarn

An meine Völker!

Der König von Italien hat mir den Krieg erklärt.

Ein Treuebruch, dessen gleichen die Geschichte nicht kennt, ist von dem Königreich Italien an seinen beiden Verbündeten begangen worden.

Nach einem Bündnis von mehr als 30 jähriger Dauer, während dessen es seinen territorialen Besitz mehren und sich zu ungeahnter Blüte entfalten konnte, hat uns Italien in der Stunde der Gefahr verlassen und ist mit fliegenden Fahnen in das Lager unserer Feinde übergegangen.

Wir haben Italien nicht bedroht, sein Ansehen nicht geschmälert, seine Ehre und seine Interessen nicht angetastet, wir haben unseren Bündnispflichten stets getreu entsprochen und ihm unseren Schirm gewährt, als es ins Feld zog, wir haben mehr getan: Als Italien seine begehrliche Blicke über unsere Grenzen sandte, waren wir, um das Bündnisverhältnis und den Frieden zu erhalten, zu großen und schmerzlichen Opfern entschlossen, zu opfern, die unserem väterlichen Herzen besonders nahe gehen.

Über Italiens Begehrlichkeit, das den Moment nützen zu sollen glaubte, war nicht zu stillen, und so muss sich das Schicksal vollziehen.

Dem mächtigen Feind im Norden haben in zehn monatlichem gigantischen Ringen und in treuester Waffenbrüderschaft mit dem Heer meines erlauchten Verbündeten meine Armeen siegreich standgehalten.

Der neue heimtückische Feind im Süden ist ihnen kein neuer Gegner.

Die großen Erinnerungen an Navara, Mortara, Custozza und Lissa, die den stolz meiner Jugend bilden und der Geist Radetzkys, Erzherzog Albrechts und Tegethoffs, der in meiner Land- und Seemacht fortlebt, bürgen mir dafür, dass wir auch gegen Süden hin die Grenzen der Monarchie erfolgreich verteidigen werden.

Ich grüße meine Kampf bewährten, Sieg erprobten Truppen. Ich vertraue auf sie und ihre Führer. Ich vertraue auf meine Völker, deren beispiellosem Opfermut mein innigster väterlicher Dank gebührt.

Den Allmächtigen bitte ich, dass er unsere Fahnen segne und unsere gerechte Sache in seine gnädige Obhut nehme.

Franz Josef m. p.

Stürgkh m. p.

Russischer Armeebefehl des Generals Radko Dimitrie

Es gelangten Mitteilungen an den Minister des Inneren, wonach mit der Evakuierung der Juden aus Galizien nach dem Innern Russland begonnen wurde.

Der erlauchte Höchstkommandierende hat daher befohlen, dass bei der Besetzung neuer Gebiete durch unsere Truppen sämtliche Juden zu versammeln und nach vorwärts, den feindlichen Truppen entgegen zu jagen sind. In den von uns besetzten Gebieten des Hinterlandes sind aus den vermögenden und einflussreichen Juden Geiseln auszuheben, welche nach Russland zu schaffen sind, und zwar in dem vorgesehenen Ansiedlungsrayon. Sie sind aber unter Bewachung zu halten, d.h. Im Gefängnis, und ihr Besitz ist zu sequestrieren. Der Besitz solcher Juden, die sich auch nur die geringste Feindseligkeit zu Schulden kommen ließen oder die der Spionage verdächtigt werden, ist einzuziehen.

Als Aufenthaltsgebiete für die evakuierten Geiseln hat der Minister des Inneren die Gouvernements Poltawa und Tschernigow, d.h. die außerhalb des Kriegsschauplatz liegenden Bezirke, bestimmt.

Vorstehendes zur Kenntnis bringend, fordere ich, dass der in Rede stehende Befehl aufs genaueste befolgt werde. Beim Vollzug dieser Maßnahme ist im Einvernehmen mit den etwa vorhandenen Zivilbehörden vorzugehen. Von Seiten der Kommandanten ist hierbei größte Initiative an den Tag zu legen.

Aus Kammeruner Missionskreisen wurde bekannt:

Deutsch-Kamerun

Deutsch-Kamerun

Flaggenentwurf

England beschränkt sich nicht auf den Versuch, unsere Schutzgebiete militärisch zu erobern, sondern geht darauf aus, jeden einzelnen deutschen Angehörigen der Kolonie persönlich zu treffen, ihn materiell zu ruinieren und psychisch zu brechen. Ohne Scham bedienen sich seine ausführenden Organe zu diesem Zweck der Eingeborenen als Helfershelfer, deren niedrigste Instinkte gegen uns mobil macht. Ganz systematisch wird der deutsche Gefangene dem Farbigen nicht nur gleichgestellt, sondern in gewisser Hinsicht untergeordnet ist, ihm als Objekt zur Befriedigung seiner robusten Triebe ausgeliefert.

Unter den Augen britischer und französischer Offiziere und Chargen plündern Senegalesen und Sierra-Leone-Leute deutsche Faktoreien, Erbrechen und plündern in den Wohnhäusern privater Koffer und Kisten. Wertvolle Pflanzungen sind ohne jede militärische Notwendigkeiten niedergeschlagen, in den Missionskirchen sind Bilder zerschnitten, Altäre und Statuen zertrümmert, silberne Geräte entwendet worden.

Ein Missionar wurde von schwarzen Soldaten erschlagen, eine Oberin im Beisein weißer Chargen mit dem Haumesser bedroht.

Die in Duala und anderen Plätzen internierten Gefangenen, einschließlich der Nichtkämpfer, Frauen und Kinder, mussten sich der Aufsicht Farbiger unterwerfen, die mit aufgepflanztem Bajonett jeden Schritt der in ihrer Bewegungsfreiheit sowieso aufs äußerste Beschränkten zu überwachen hatten.

Selbst Damen mussten sich von solchen Wachen zu den verschwiegensten Örtlichkeiten begleiten lassen, und dabei hing es oft noch ganz vom Belieben dieser Patrone ab, wann der gleichen notwendige Gänge überhaupt angetreten werden durften!

Die Gefangenen Männer waren sogar gezwungen, sich mit den Farbigen in die Benutzung ein und derselben Örtlichkeit zu teilen. Auf dem selben Brett steht, dass ein deutscher Offizier während des Transportes nach Duala aus dem Europäerabteil der Bahn in die Farbigenklasse verwiesen, dass viele Gefangene im Beisein unbeschäftigte Neger, höhnender Dualaleute, gezwungen wurden, ihre Lastenkoffer selbst zu tragen und zahllose ähnliche Erniedrigungen zu erdulden hatten.

Andere Beispiele und Zeugen dafür werden im Laufe der Zeit noch bekannt werden und ein Licht auf den englischen Begriff von chevaleresker (Anmerkung: chevaleresk=ritterlich) Kriegsführung werfen. All diese Maßnahmen bedeuten aber weit über die unmittelbare Belästigung der Betroffenen hinaus eine unerhörte Selbstdemütigung der weißen Rasse, deren Folgen sich die Urheber nicht verhehlen könnten, wenn ihnen der politische Blick, den man Englands Leitern besonders in kolonialen Dingen zugestehen pflegte, nicht getrübt wäre. Denn die Schranke, die von jeher weiß und schwarz in diesen Ländern scheidet, fällt unweigerlich mit der Achtung vor der körperlichen Persönlichkeit des herrschenden Teiles. Gewiss haben einzelne Stämme einst mit kriegerischer Faust unterworfen werden müssen, haben im Kampf ihre Waffen gegen uns erhoben, und mancher Weiße fand den Tod. Der Farbige denkt nicht, dass wir unsterblich sind. Aber im Elend, anderen unterworfen, durch andere körperlichen leidend und von seinen weißen Brüdern zu niedrigen Arbeiten gezwungen, vermag er sich seinen weißen Herren nicht vorzustellen.

Ansprache des Reichskanzlers von Bethmann-Hollweg am 28.05.1915 vor dem Reichstag anlässlich des italienischen Verhaltens (Kriegserklärung an Österreich-Ungarn)

Deutsches Kaiserreich

Deutsches Kaiserreich

Meine Herren!

Als ich vor acht Tagen zu ihnen sprach, bestand noch ein Schimmer von Hoffnung, dass das Losschlagen Italiens verhütet werden könnte. Die Hoffnung hat getrogen. Das deutsche Empfinden sträubte sich, an die Möglichkeit einer solchen Wendung zu glauben. Jetzt hat die italienische Regierung selbst ihren Treuebruch mit blutigen Lettern unvergänglich in das Buch der Weltgeschichte eingeschrieben. Ich glaube, es war Machiavelli, der einmal gesagt hat: „jeder Krieg, der notwendig sei, sei auch gerecht“. War von diesem nüchternen realpolitischen Standpunkt aus, der von allen moralischen Reflexionen absieht, war auch nur so gesehen dieser Krieg notwendig? Ist er nicht vielmehr geradezu sinnlos? Niemand bedroht Italien, wieder Österreich-Ungarn noch Deutschland. Ob die Tripleentente es bei Lockerungen hat bewenden lassen, das wird ja die Geschichte zeigen. Ohne einen Tropfen Blut, ohne das Leben eines einzigen Italieners zu gefährden, konnte Italien die lange Liste der Konzessionen haben, die ich Ihnen neulich verlesen habe: Land in Tirol, am Isonzo, soweit die italienische Zunge klingt, Befriedigung der nationalen Wünsche in Triest, freie Hand in Albanien, den wertvollen Hafen von Valona. Warum haben die Herren Salandra und Sonnino das nicht genommen? Wollen Sie etwa auch das deutsche Tirol erobern? Hände weg, meine Herren! Oder will sich Italien an Deutschland reiben, an dem Lande, dem es doch bei seinem Werden zur Großmacht so manches zu verdanken hat, an dem Lande, von dem es durch keinerlei Interessengegensätze getrennt ist?

Wir haben in Rom keinen Zweifel gelassen, dass der italienische Angriff auf österreichisch-ungarische Truppen auch deutsche Truppen treffen werde. Weshalb hat also Rom das weitgehende Anerbieten Österreichs zurückgewiesen?

Das italienische Grünbuch, ein Dokument, das das schlechte Gewissen mit hohlen Phrasen verbirgt, bietet uns dafür keinen Aufschluss. Man hat sich vielleicht doch gescheut, offiziell auszusprechen, was man durch die Presse und durch die Gespräche der parlamentarischen Wandelgänge als Vorwand verbreiten ließ: die österreichischen Angebote wären zu spät gekommen und man habe ihnen nicht trauen können.

Wie steht es denn in Wirklichkeit damit? Die römischen Staatsmänner hatten doch wohl kein Recht, an die Vertrauenswürdigkeit anderer Nationen denselben Maßstab anzulegen wie an ihre eigene. Deutschland bürgte mit seinem Wort dafür, dass die Konzessionen durchgeführt wurden, da war kein Raum für Misstrauen. Also weshalb zu spät?

Das Trentino, das am 4. Mai angeboten wurde, war kein anderes Land, als welches es im Februar gewesen wäre. Und im Mai waren dazu noch eine Reihe Konzessionen hinzugekommenen, an die im Winter nicht einmal gedacht war. Nun, zu spät war es, weil die römischen Staatsmänner sich nicht gescheut hatten, lange vorher, während der Dreibund noch leibte und lebte – derselbe Dreibund, von dem der König und die Regierung in Rom auch nach dem Ausbruch des Weltkrieges ausdrücklich anerkannt hatten das er weiter bestehe –, weil Sonnino sich lange vorher mit der Tripleentente so tief eingelassen hatte, dass er sich aus ihrem Arm nicht mehr loswinden konnte.

Schon im Dezember waren Anzeichen für eine Beschränkung des römischen Kabinetts. Zwei Eisen im Feuer zu haben, ist er immer nützlich, und Italien hatte uns auch früher schon seine Vorliebe für Extratouren gezeigt. Aber hier war kein Tanzsaal, hier war die blutige Walstatt, auf der Österreich-Ungarn und Deutschland für ihr Leben fechten.

Das selbe Spiel wie mit uns haben die römischen Staatsmänner auch mit dem eigenen Volke gespielt. Gewiss, das Land italienischer Zunge an der Nordgrenze war von jeher ein Traum und Wunsch innigen Begehrens jedes Italieners. Aber doch ist dieser Krieg ein Kabinettskrieg. Das italienische Volk in seiner großen Mehrzahl wollte nichts vom Krieg wissen. Auch die Mehrheit des Parlaments wollte nichts vom Krieg wissen. Noch im Mai haben die besten Kenner der italienischen Verhältnisse feststellen können, dass etwa vier Fünftel des Senats und zwei Drittel der Kammer gegen den Krieg waren. Und darunter die besten und gewichtigsten Staatsmänner der ganzen letzten italienischen Epoche.

Aber die Vernunft kam nicht mehr zum Wort, es herrschte allein die Straße, und zwar unter der wohlwollenden Duldung und Förderung der leitenden Männer des italienischen Kabinetts, sie war von dem Golde der Tripleentente und unter der Führung gewissenloser Kriegshetzer in einen solchen Blutrausch versetzt worden, dass sie dem König die Revolution und allen Gemäßigten, die sich noch ein ruhiges Urteil bewahrt hatten, Überfall und Mord androhte, ebenso allen, die nicht in die Kriegstrompete mit einstoßen wollten.

Über das Maß der österreichischen Konzessionen wurde das italienische Volk geflissentlich im Dunkel gehalten. So kam es, dass nach dem Rücktritt des Kabinetts Salandrer sich niemand mehr fand und niemand mehr den Mut hatte, ein neues Kabinett zu bilden, und das in den entscheidenden Debatten über die Kriegsvollmachten kein Redner der konstitutionellen Parteien des Senats oder der Kammer den Wert der weit gehenden österreichischen Konzessionen an die nationalen Wünsche des italienischen Volkes auch nur zu würdigen versucht hatte. In dem allgemeinen Kriegstaumel musste die ehrliche Politik verstummen. Wenn einst, wie wir hoffen und wünschen, eine Ernüchterung bei dem italienischen Volk eingetreten sein wird, dann wären ihm auch die Augen darüber aufgeben, wie leichtfertig es in diesem Krieg hinein gehetzt worden ist.

Wir, meine Herren, haben alles getan, die Abkehr Italiens vom Dreibund zu verhüten. Uns fiel dabei die undankbare Rolle zu, dem treuen Verbündeten Österreich-Ungarn, mit dessen Armeen unsere Truppen tagtäglich Wunden, Tod und Sieg teilen, an zu sinnen, die Vertragstreue des Dritten durch Abtretung alter wichtiger Teile zu erkaufen.

Das Reuter-Büro meldet:

Über Ramsgate Bratwood und einigen anderen Orten in unmittelbarer Nachbarschaft Londons wurden Zeppeline gesehen. Es brachen viele Brände aus, doch lässt es sich nicht mit Sicherheit feststellen, ob die Brände mit dem Besuch der Luftschiffe in Zusammenhang stehen.

Anmerkung:

Deutschen Behörden wurde in der ersten Hälfte des Jahres 1915 bekannt, dass man deutsche Kriegsgefangene seitens Frankreichs über das Meer nach Korsika, nach Nordafrika, sogar nach Dahomey verschiffte und sie dort bei unzureichender Nahrung im glühenden Sonnenbrand unter der Peitsche schwarzer Aufseher die härtesten und niedrigsten Arbeiten verrichten ließ. Viele deutsche Gefangene sollen dabei elend zu Grunde gegangen sein. Anfang Juni 1915 sah sich die Deutsche Regierung genötigt, Vergeltungsmaßregeln zu ergreifen und schickte einige 1000 Franzosen zur Arbeit in die Moorkulturen, wodurch sie angeblich eine Besserung der Zustände in Frankreich erreichte. Der Öffentlichkeit gegenüber rechtfertigte die Deutsche Regierung diese Maßregel durch die amtliche Veröffentlichung der französischen Gräuel, die Sie in Erfahrung gebracht hatte.

Es heißt da:

Zur Zeit befinden sich annähernd 400 deutsche Kriegs-und Zivilgefangene in Dahomey, teils aus Kamerun, teils aus Togo, und mehrere Tausende von Kriegs-und Zivilgefangenen in Marokko und Tunis und den anderen französischen Besitzungen.

Übereinstimmende sichere Nachrichten besagen, dass unsere Deutschen dort, an den verschiedensten Plätzen verteilt und besonders in Dahomey geradezu schmachvoll behandelt werden. Zum größten Teil müssen Sie in glühender Sonnenhitze schwere körperliche Arbeiten verrichten (Wegearbeiten, Steine klopfen usw.).

In Dahomey ist ihre Bekleidung völlig unzureichend. Sie durften nichts aus Kamerun oder Togo mitnehmen. In den leichten Sachen wurden sie im Herbst 1914 nach Dahomey gebracht. Abgerissen, mit leichten Kopfbedeckungen, verrichten sie ihre Arbeit.

Sie wurden fast nie in Europäerwohnungen gebracht, sondern leben in selbst erbauten Lehm-oder Strohhütten, ohne Moskitonetze, auf Strohmatten, ja auf dem nackten Fußboden. Zum Teil zimmerten sie sich Ihre Betten selbst. Sie müssen selbst kochen, eine Bedienung wird ihnen zum Teil versagt. Die Bewachung geschieht in entwürdigender Weise durch Schwarze, die den Weißen ihre Macht zeigen. Die französische Zeitschrift „Minoir“ hatte sogar die Stirn, dies in einem Bild zu bringen, das von einem höhnischen Kommentar begleitet war.

Es fehlt an den nötigen Medizinern, wie Chinin usw., und an ärztlicher Hilfe. Ein französischer Arzt sagte: „Die Männer sollen leiden“.

Das Klima in Dahomey ist eines der mörderischsten der ganzen Westküste Afrikas. Nicht nur deutsche, sondern auch französische Fachleute haben sich in diesem Sinne geäußert.

Gelbes Fieber, Schwarzwasserfieber, Malaria sind an der Tagesordnung. Man kann sich nur mithilfe von Moskitonetzen gegen die Insekten schützen. Wenn es auch Orte geben mag, die für die Europäer einigermaßen bewohnbar sind, so ist das Klima im Allgemeinen eines der ungesündesten.

Nicht besser ergeht es unseren Kriegsgefangene in Nordafrika. Mit dem fortschreitenden Sommer erhöhen sich dort die Tagestemperaturen auf 50 und 60 °C. Ohne Tropenhelme müssen unsere braven Soldaten in dieser Gluthitze schwerste Arbeiten verrichten. Das einzige, was die französische Regierung bis jetzt zugestanden hat, ist eine Verlängerung der Mittagspause von 11.00 Uhr bis 15:00 Uhr. Nach übereinstimmenden Urteilen von Fachmännern ist es für Europäer und noch dazu solche, die des Klimas ungewohnt sind, ohne Gesundheitsschädigung unmöglich, diese Arbeiten auszuführen.

Noch schlimmer erscheint es, dass die Franzosen auch Verwundete und Kranke nach Afrika gebracht haben und ohne Erbarmen zur Arbeit zwingen.

Die Ernährung ist auch hier durchaus unzureichend. Die Pakete aus der Heimat kommen in den meisten Fällen beraubt oder gar nicht an. Auch die Geldsendungen gehen sehr unregelmäßig ein.

Die Strafen sind außerordentlich grausam, eine Tatsache, die aus der Fremdenlegion schon längst bekannt ist.

Vielfach haben Kriegsgefangene aus Verzweiflung über ihre Lage den Lockungen zum Eintritt in die Fremdenlegion nachgegeben, wo sie es natürlich auch nicht besser haben.

Aus einer großen Anzahl von Briefen hört man übereinstimmend die erschütternden Klagen über die Leiden unserer gefangenen Krieger in Afrika heraus.

Hierbei ist zu bedenken, dass alle Postsachen der Prüfung durch die Zensur unterliegen und die Leute nicht das schreiben können, was sie wollen. Aber durch die Eidaussagen zurückgekehrter Frauen und Missionare und in durch schmuggelten Nachrichten zeigt sich stets dasselbe traurige Bild.

Im Juni 1915 druckte die englische Zeitung „Times“ einen Aufruf, indem das englische Publikum aufgefordert wurde, eine Liga gegen Deutschland zu bilden. Deren Mitglieder sollten sich unterschriftlich verpflichten, keine deutschen Waren mehr zu kaufen und zu verkaufen, keine deutschen Angestellten mehr zu beschäftigen oder Geschäfte mit deutschen Häusern abzuschließen, noch deutsche Schiffe zur Reise oder zur Verfrachtung zu benutzen, jeden Händler in Verruf zu bringen, der deutsche Ware feil bietet, wenn sie aus anderen Bezugsquellen erhältlich sei, keinen gesellschaftlichen Verkehr mit Deutschen zu unterhalten und jede Frau gesellschaftlich zu ächten, die einen Deutschen heiratet. Der Aufruf erhielt zur Begründung dieser Vorschläge folgende Sätze:

Das „Made in Germany“ gelte fortan als Brandmal des Viehs. Wer es erblickt, der gedenke der im Krieg Erschlagenen, der ihrer Brüste beraubten und verstümmelten Frauen, der vergewaltigten Mädchen, der in Stücke geschnittenen Kinder, unsere braven Soldaten mit ihren zu Brei zermalmten Gesichtern, da sie verwundet da lagen, der unschuldig ertränken Opfer der U-Boot-Piraten.

Es ist unsinnig, Wilde mit Seidenhandschuhen bekämpfen zu wollen. Lasst uns ihre Geschäfte zerrütten, ihre Fabriken zerstören mitsamt aller heranwachsenden Handelsübermacht. Lasst sie uns aus der menschlichen Gemeinschaft werfen als Geschmeiß und sie meiden wie Pestilenz!

Wie den Deutschen im Krieg jedes Verbrechen alter und neuer Räuberei zuzutrauen ist, so müssen wir uns auch von ihnen jeder Niedertracht im Handel versehen. Überall spionieren Sie, in unseren Kontoren und Fabriken, stehlen unseren Gedanken, ahmen unsere Patente, Verfahren und Maschinen nach und fälschen unsere Warenzeichen!

Kein Zweifel: nach dem Krieg werden Sie auf den Knien herankommen und uns Waren zu Preisen anbieten, gegen die kein Schutzzoll hilft. Wieder wird der deutsche Kellner, dieser geborene bezahlte Aushorcher, und der deutsche Barbier, der stets ein Spion ist, uns umgeben. Wir müssen uns wappnen.