Aus den Kolonien

Anmerkung zu Flaggenentwürfen (wie hier zu Kamerun):

Für die Deutschen Kolonien wurden auf Anregung des damaligen Staatssekretärs des Reichskolonialamts Wilhelm Solf 1914 Entwürfe für Wappen und Flaggen vorgelegt. Da der Kriegsbeginn unmittelbar bevorstand, kam es nicht mehr zu einer Verwirklichung der Pläne obwohl der Kaiser diesen bereits zugestimmt hatte.

Die Wappen und Flaggen wurden somit niemals in den Kolonien verwendet.

Fall der Festung Tsingtau

Flagge des Gouverneurs des Pachtgebiets von Kiautschou

Flagge des Gouverneurs des Pachtgebiets von Kiautschou

Am 31. Oktober 1914 begann der allgemeine Angriff auf Tsingtau von Land- und Seeseite her. Zuvor hatte der Befehlshaber des englischen Heeres eine ehrenvolle Übergabe angeboten, welche der deutsche Kommandant, Kapitän Meyer-Waldeck, ablehnte.

Der englisch-japanische Angriff verlief erfolglos, worauf am 02.11.1914 den Deutschen erneut eine ehrenvolle Übergabe angeboten wurde. Diese wurde wieder abgelehnt.

Der erneute Angriff führte dann am 07.11.1914 zur Eroberung der Festung. Am 09.11.1914 sandte Kapitän Meyer-Waldeck durch Vermittlung der japanischen Gesandtschaft in Peking folgendes Telegramm nach Berlin:

"Festung nach Erschöpfung aller Verteidigungsmittel durch Sturm und durch Brechung in der Mitte gefallen. Befestigung und Stadt mit schwerstem Geschütz bis 28cm Steilfeuer, verbunden mit starker Beschießung von der See, schwer erschüttert. Feuerkraft zum Schlusse völlig gebrochen. Verlust nicht genau übersehbar, aber trotz schwerstem, anhaltenden Feuers wie durch ein Wunder viel geringer als zu erwarten."

Bericht über die Einnahme der Stadt Duala in Kamerun

Deutsch-Kamerun

Deutsch-Kamerun

Flaggenentwurf

In Kamerun wurde die Hauptstadt Duala von den vereinigten Truppen Englands und Belgiens am 27.09.1914 erobert.

Im Landesinneren konnten sich noch weiterhin deutsche Truppen halten.

Der Bericht über die Eroberung Dualas gelang erst im Januar 1915 nach Deutschland:

"Die Männer und die Frauen sind, wie sie gingen und standen, in ihren Wohnungen oder von der Straße weg durch schwarze Soldaten mit aufgepflanztem Seitengewehr, davon nur ein Teil unter weißer Führung, einzeln und in großen Trupps in den Garten des Regierungskrankenhauses gebracht worden. Teilweise unter der Aufforderung, sie sollten ihre Namen im Regierungskrankenhaus zwecks Feststellung der Bewohnerzahl Dualas eintragen, teilweise ohne ihnen einen Aufschluss über den Zweck ihres Abführens zu geben.

Mit den schwarzen Soldaten, die zum Teil nicht englisch verstanden, konnten sich einzelne nicht verständigen, so dass die Betroffenen durch unweigerliche Zeichen dieser Soldaten wohl oder übel mitgehen und ihren Haushalt ohne Schutz offen zurücklassen mussten.

Die Frau eines Unterbeamten des Gouvernements konnte bei dem überaus schroffen Vorgehen der Engländer nur mit Mühe erreichen, dass sie ihr in der Wohnung zurückgelassenes Kind dort abholen durfte.

Viele der Gefangenen hatten nur das Notwendigste bei sich und trugen nur Tropenkleidung auf dem Leibe!

Im Hospitalgarten wurden die Gefangenen, Männer, Frauen und Kinder von vormittags bis in den Nachmittag hinein unter freiem Himmel in der tropischen Mittagssonne von schwarzen Soldaten mit aufgepflanztem Seitengewehr in einem großen Haufen bewacht. Die Betroffenen lagen oder standen, wie sie es sich gerade auf diesem freien Platze bequem machen konnten. Essen und Trinken wurde ihnen nicht gereicht.

Von denen, die sich darum bemühten, gelang es nur einzelnen, durch ihre schwarze Dienerschaft, die wohl um den Hospitalgarten herumstand, sich etwas zu verschaffen. Dabei war es wohl einzelnen auch möglich geworden, die notwendigsten Sachen, wie Kleidungsstücke, sich aus den Wohnungen holen zu lassen. Übrigens soll es den Frauen freigestellt gewesen sein, unter Garantie ihrer Sicherheit in Duala zu bleiben. Die Zusicherung konnte aber nach Lage der Verhältnisse, ohne Schutz durch ihre Männer, den erregten Duala-Leuten und den feindlichen schwarzen Soldaten gegenüber kein Vertrauen erwecken.

Beim Abtransport durfte nur das Gepäck mitgenommen werden, das der einzelne selbst tragen konnte. Die hilfsbereite farbige Dienerschaft wurde von den schwarzen Soldaten zurückgewiesen, so dass viele Gepäckstücke im Hospitalgarten liegen bleiben mussten.

Als z.B. die Frau eines Beamten ihre Wolldecke aufnehmen wollte, wurde sie von einem Soldaten weggestoßen.

Auch in der katholischen Kirche und anderen Häusern in Deido sind viele Gepäckstücke zurückgeblieben. Ein Teil dieser Sachen ist allerdings auf die Bemühungen einer englischen Dame aus der Mission in Lagos den Gefangenen später in Lagos ausgeliefert worden.

Vom Hospitalgarten aus mussten die deutschen Bewohner Dualas, Männer und Frauen –je zwei und zwei-- unter zahlreicher schwarzer militärischer Bedeckung durch eine der belebtesten Straßen Dualas unter Drohungen, Hohn und Beschimpfungen der Dualaneger nach dem Hafen zur Landungsbrücke ziehen!

Unter diesem Trupp befanden sich auch der derzeitige Bezirksamtmann von Duala, Wieneke, der Leiter des Postwesens von Kamerun, Postdirektor Schmidt, Missionare, angesehene Vertreter der Kaufmannschaft und sonstiger Unternehmungen.

Man erkennt hieraus von neuem die wohl berechnete Absicht der Feinde, das Ansehen der Deutschen vor der Eingeborenenbevölkerung möglichst zu erniedrigen. Allenthalben, wo sich während dieses Krieges eine Gelegenheit dazu geboten hat, ist von Engländern und Franzosen nach diesem Grundsatz gehandelt worden. Mit Recht erwarten unsere moralisch und physisch misshandelten Landsleute in Afrika für dieses Verhalten der Feinde eine besondere Sühne!“