Deutschland im Westen

Episode aus der Schlacht bei Royon/Nordfrankreich am 16./17.09.1914

Episode aus der Schlacht bei Royon/Nordfrankreich am 16./17.09.1914

" Jeder, der an der Oise mit gefochten hat, kennt den weit ins Land schauenden Turm von Chiry. Er steht auf einer der ersten Höhen südlich von Royon und war der Kernpunkt heiß umstrittenen Geländes, da er einen guten Beobachtungsstand bot. Von uns wurde er, als er noch im feindlichen Besitz war, aus kunstfreundlichen Gründen geschont, von den Franzosen aber, nachdem wir ihn erobert hatten, dauernd mit Granaten beschossen. Hier setzte der Feind seine neuen Kräfte ein, um unsern von der I. Armee gebildeten rechten Flügel zu umgehen. Die große Landstraße Paris-Compiegne-Royon-St. Quentin führt an Thiry vorbei.

Schon war unser rechter Flügel ernstlich bedroht. Royon mußte von uns wegen des Einschlagens feindlicher Granaten am 15.09.1914 vormittags 11 Uhr geräumt werden. Auf der nordwestlich nach Roye führenden Landstraße wurden unsere Patrouillen vom Feind beschossen. In Roye und westlich Nesle waren französische Kavalleriedivisionen gemeldet worden, und noch weiter nördlich hatte ihre Artillerie unseren schwachen Bahnschutz Chaulnes-Peronne zum Rückzug genötigt.

Zur rechten Zeit kam das IX. Reserve-Armeekorps über Ham von Belgien nachmittags durch Royon und entwickelte sich mit der Front nach Süden gegen die nahenden Feinde. In Chiry, Pontoise und Thiescourt begann das heftige Ringen der Infanterie, während sich unsere Artillerie gleich außerhalb Royons in Stellung begab und sofort die Höhen von Thiry und das Dorf Pontoise zu beschießen begann.

Vom Fesselballon aus wurden an dem hellen, sonnigen Tage wichtige Stellungen des Feindes beobachtet und das Artilleriefeuer geleitet. Noch am Abend wurden die ersten feindlichen Stellungen genommen. Am 16.09.14 wurde der Turm von Chiry unser, und vorwärts ging es an dem Dorf Chiry vorüber südwärts. Hier fochten die 75er und 76er Reserve-Regimenter, Bremer und Hamburger, Seite an Seite. An der auf dem Bilde sichtbaren Straße Royon-Paris leistete der Feind den heftigsten Widerstand. Links von ihr bot ihm eine Ziegelei, rechts die Kirchhofsmauer von Ribecourt die Möglichkeit zur günstigen Aufstellung von Maschinengewehren, und von den dahinter gelegenen Höhen aus feuerte die französische Artillerie in ein fast keine Deckung bietendes Gelände.

Doch kurz hinter Dreslincourt durchschneidet ein tiefer Zuggraben die Felder. Hier standen die an Wasser gewöhnten Hanseaten Deckung und bis zum Dorf freies Schussfeld. Unsere Artillerie beschoss nun das Dorf mit Granaten, und am 17.09.1914 wurde Ribecourt (links im Bild) im Sturm genommen.

Weiter rechts bei Lassigny und Roye wurde der Feind erst am 01.-03.10.1914 von den Bayern zurück geworfen und die 75er und 76er konnten auch dort, als Reserve, mit dazu beitragen, dass die Front die beabsichtigte gerade Linie Thiry-Roye erhielt."

    • Deutsche Soldaten auf dem Weg zu Grenze

      Aufnahme erfolgte in der Nähe von Mühlhausen

    • Zur Wirkung des deutschen 42cm-Belagerungsmörsers

      Bild aus dem Panzerfort Loucin der Festung Lüttich.

    • Offiziersgräber in Lagarde

      Zeichnung von Prof. Hans von Hanek

    • Nachtgefecht in Mühlhausen

      Zeichnung von Felix Schwormstädt

    • Im Schützengraben bei Aisne

      Im Schützengraben während eines Nachtgefechtes an der Aisne. Zeichnung von Felix Schwormstädt

    • Eine Fuhrparkkolonne

      Aus dem Skizzenbuch des auf dem westlichen Kriegsschauplatz befindlichen Zeichner Prof. Hans v. Hanek

    • Die erbitterten Kämpfe im Argonner Wald

      Zeichnung von Felix Schwormstädt

    • Ein Feldpostamt des Gardekorps in Nordfrankreich

      Skizze von Hugo Braune

    • DRK im Einsatz

      Verbinden von Verwundeten nach Eintreffen des Eisenbahnzuges auf einem Bahnhof. Zeichnung von Felix Schwormstädt

    • Gefangenenlager Königsbrück bei Dresden

      Gefangene verwundete Franzosen. Zeichnung: Emil Limmer

    • Schlacht bei St. Quentin 28.08.1914

      Generaloberst v. Kluck siegt über englische Truppen. Hier die Eroberung englischer Geschütze durch stürmende deutsche Truppen.

    • Hinter dem Schlachtfeld

      Die Tätigkeit des Sanitätskorps während einer Schlacht. Zeichnung: Otto von der Mehl.

    • Ein Rasttag in Sillery (Marne) in Frankreich

    • Unterstand bei Moronvilliers

    • Gefecht am Eisenbahndamm bei Chaulnes am 23.10.1914

      Der Damm war entschient, die Bohlen herausgerissen. Wagen, Karren usw. als Barrikade, im linken Hintergrund das brennende Stationsgebäude. Es wurden 3 Geschütze erbeutet, 5 zerstört. Nach drei Tagen verkehrte die Bahn wieder.

    • Deutsche Brückenwache an der Maas

    • Der Sturm auf die Porte de Douai in Lille

      Der Sturm des Königlich Sächsischen 15. Inf.-Regiments Nr. 181 auf die Porte de Douai in Lille am 12.10.1914.

    • Verwundete Franzosen in Mariembourg in Belgien

    • Deutsche Apothekenwagen

    • Die Erstürmung einer englischen Batterie bei Ypern

    • Einschlag und Explosion einer 30,5cm-Granate

    • Heimat - Heimweh

      Zeichnung von Olbertz

    • Bei Soissons

      Eine deutsche Maschinengewehrabteilung in Deckung gegen Artilleriefeuer in Erwartung des Befehls zum Vorgehen.

    • MG Kompanie in Feuerstellung

      2. MG Kompanie des Res. Infanterie Reg. 107 in Feuerstellung. Nach einer Zeichnung von Olbertz am 10.12.1914.

    • Nach der Schlacht.

      Zeichnung von F. Schwormstädt

    • Barrikade

      Eine von den Franzosen zum Schutz gegen das Vordringen der Deutschen auf einer Waldstraße in den Vogesen errichtete Barrikade.

    • Auf der Combres-Höhe

      Ein französisches Panzerautomobil im Kampf mit deutschen Vorposten auf der Combres-Höhe. Skizze nach Augenzeugenbericht von Martin Frost.

    • Französischer Drahtverhau

    • Deutsche Truppen auf dem Vormarsch

    • Nachtangriff auf französische Stellungen

      An der Loretto-Höhe (Skizze von M. Frost)

    • Vor dem Stadthaus in Antwerpen

      Die Zeichnung von Felix Schwormstädt gibt einen Moment nach der Besetzung der Stadt durch deutsche Truppen wieder.

    • Lagarde in Lothringen am 11.08.1914

      Die Eroberung der ersten französischen Fahne. Zeichnung von Arno Grimm

    • Beobachtungsposten im Schwarzwald

      Wachen zur Beobachtung feindlicher Flieger auf den Höhen des Schwarzwaldes. Im Hintergrund die Scheinwerfer von Straßburg. Zeichnung von Kurt Liebig

    • Schlacht bei Longwy am 22.08.1914

      Eine Szene aus der Schlacht bei Longwy am 22.08.1914, in der die Armee des Deutschen Kronprinzen den Feind in die Flucht schlug. Zeichnung von C. Barber

    • Lagerleben

      Aus dem Skizzenbuch des auf dem westlichen Kriegsschauplatz befindlichen Zeichner Prof. Hans v. Hanek

    • Deutsche Patrouillenfahrt

      Deutsche Patrouillenfahrt im Automobil durch ein von Franzosen besetztes Dorf. Gezeichnet von Max Burger nach Augenzeugenbericht.

    • Aufnahme der Verlustliste

      Skizze von D.J. Olbertz

    • Geschäftszimmer

      Im Geschäftszimmer des Generalstabs des 19. Armeekorps. Zeichnung: Edgar Hübner

    • Rathaus in St. Quentin

      Die Hauptwache im Laubengang des alten gotischen Rathauses in St. Quentin. Aus dem Skizzenbuch von Prof. Hans v. Harnek.

    • Rast

      Aus dem Skizzenbuch des Prof. Hans v. Hanek

    • Von den Kämpfen in Lothringen

      Deutsche Soldaten in der Stadt Dieuze. Skizze von Prof. Hans v. Hanek.

    • Die Post passiert den Vorposten

      Nach einer Skizze von Olbertz, der dem Reserve Regiment 107, 10. Kompanie, angehörte.

    • Flüchtlinge vor dem Kloster in Dinant

    • Im Überschwemmungsgebiet bei Dixmuiden

      Nach einer Zeichnung von Pro. Hans v. Hanek

    • Englischer Schützengraben

      Ein englischer Schützengraben mit Leichen vor dem Dorf Ennetieres, westlich von Lille am Tag nach der Erstürmung.

    • Flucht in Lille

      Flucht der französischen Besatzung und Einwohner von Lille aus dem brennenden Stadtviertel bei der Porte de Douai kurz vor der Übergabe der Stadt am 13.10.1914.

    • Der deutsche Kaiser an der Front.

      Der deutsche Kaiser während des Besuchs in einer Artilleriestellung im Westen 1914. Zeichnung von F. Schwormstädt

    • Zuvor Kartoffelkeller jetzt Komißstube

      Zeichnung v Olbertz. Gefertigt bei St. Souplet 1914

    • Deutscher Artilleriebeobachtungsstand vor Ypern

      Zeichnung von H. Braune

    • Schützenlinie

    • Aus den Kämpfen bei Soisson

      Deutsche Infanterie geht aus den Schützengräben zum Sturm vor.

    • Feldpost

      Die sich täglich noch immer mehrenden Säcke der Feldpost in einem Städtchen an der Aisne.

    • Aus den Kämpfen um die Höhe 425 bei Sennheim.

      Zeichnung von Kurt Liebich

    • Deutsche Eisenbahner verteilen Kohle

    • Weihnachtsfeier 1914

      Weihnachtsfeier 1914 des Generalkommandos des XIX. Armeekorps in einer flandrischen Kirche. Zeichnung O.J. Olbertz

    • Momentaufnahmen

      Momentaufnahmen aus dem Skizzenblock des an der Front kämpfenden Mitarbeiters der "Illustrierten Zeitung" OLBERTZ.

    • Militärluftschiffes "Z VI"

      Das Eingreifen des Militärluftschiffes "Z VI" in den Kampf um die belgische Festung Lüttich am 06.08.1914. Zeichnung von Felix Schwormstädt

    • Nach der Eroberung Antwerpens

      Das zerstörte nördliche Außenfort Ertbrand. Das Geschütz links wurde durch den Luftdruck eines 42cm-Geschosses über den Festungsgraben vor den Eingang des Forts geschleudert.

    • Wider dem Völkerrecht

      Wider dem Völkerrecht setzten die Franzosen Dum-Dum-Geschosse ein.

      Rechts ein Dum-Dum-Geschoß Modell 1906 (bei den Franzosen in Massen gefunden). Die übrigen drei Geschosse sind französische Lebel-Patronen vom Schlachtfeld bei Dieuze, deren Kupfergeschosse an der Spitze abgefeilt oder eingekerbt worden sind, um die Verwundungen grausamer zu machen.

    • Eine Dorfstraße bei Lagarde

      Durch das Loch im Kirchturm wurde das am Kampf vom 11.08.1914 beteiligte bayrische Ulanenregiment von einem Maschinengewehr beschossen. Zeichnung von Prof. Hans von Hanek

    • Vom belgischen Kriegsschauplatz

      Franktireurüberfall (Partisanenüberfall). Zeichnung von Felix Schwormstädt

    • Französische Truppen in den Vogesen

      Zeichnung von Curt Liebig

    • Zur Mittagszeit

      Aus dem Skizzenbuch des auf dem westlichen Kriegsschauplatz befindlichen Zeichner Prof. Hans v. Hanek

    • Morgenwäsche

      Aus dem Skizzenbuch des auf dem westlichen Kriegsschauplatz befindlichen Zeichner Prof. Hans v. Hanek

    • Aus den Oktoberkämpfen 1914

      Erstürmung eines von Zuaven und Turkos besetzten Hohlweges an der sogenannten Telegraphenhöhe durch zwei bayrische Reserveregimenter. Zeichnung: Prof. Hans v. Hanek

    • Vernehmung eines gefangenen französischen Husaren

      Vernehmung eines gefangenen französischen Husaren in Chateau-Salins. Aus dem Skizzenbuch von Prof. Hans v. Hanek

    • Verwüstungen und Zerstörungen im Dienstgebäude

      Die Reichsbankstelle in Saarburg i. Lothringen, welche durch französisches Militär in den Tagen des 18. bis 20. August 1914 zerstört wurde. Hier die Wohnung des Kassendieners

    • Schützengräben

      Schützengräben vor der Ortschaft Champien bei Rone mit Leichen deutscher und französischer Soldaten. Aus dem Skizzenbuch von Prof. Hans v. Hanek.

    • Verwundete Soldaten

      Transport verwundeter deutscher Soldaten, die an den Kämpfen bei Nancy teilgenommen haben, auf der Landstraße bei Dieuze im Regenwetter. Aus dem Skizzenbuch von Prof. Hans v. Hanek.

    • In Brand gestecktes Frankiteurdorf bei Luneville

      Frankiteurdorf = Partisanendorf

    • Minenwerferangriff

      Deutsche Minenwerfer im Feuerangriff auf französische Schützengräben in Vorbereitung eines Sturmangriffs.

    • Feuerüberfall

      Feuerüberfall auf eine vorgeschobene Feldartillerie-Beobachtungsstelle in der Gegend von Antilly bei Betz (Departement Oise).

    • Deutsche Feldbäckerei

    • Vorgehen von Truppen der deutschen I. Armee

      Vorgehen von Truppen der deutschen I. Armee bei Nampcel, südlich von Royon im Oktober 1914. Vorne rechts ein von Pionieren geschaffener Laufgraben, der es ermöglichte, die Franzosen in der Flanke anzugreifen.

    • Brandruinen von Lille

      Zeichnung von Prof. Hans v. Hanek

    • Gefangenenlager in Mariembourg in Belgien

    • Minenlegung auf einer Marnebrücke

      Bei der Kontrolle der Minenlegung auf einer Marnebrücke wurde der deutsche Pionieroffizier von heranschleichen Zuaven überrascht. Er gab den Befehl zur Brückensprengung und kam dabei selbst zu Tode.

    • Ballonabwehrkanone

      Ballone dienten der Aufklärung und insbesondere der Feststellung über die Wirkung des Artilleriefeuers auf den Gegner. Ballonabwehr war somit von großer Bedeutung.

    • Stellungswechsel bei Nieuport

      Ein Stellungswechsel der deutschen Truppen im Überschwemmungsgebiet bei Nieuport. Die Belgier zerstörten dort die Schleusen, setzten das dort fruchtbare Gebiet unter Wasser und veranlassten damit den Stellungswechsel.

    • Am Ufer der Aisne

      Nachdem die auf der Höhe liegenden Schützengräben von deutschen Truppen genommen waren, wurden die Franzosen dem Abhang zugetrieben, wo sie in wilder Flucht die Felsen hinabstürzten.

    • Deutsche Soldatengräber - Skizziert von Olbertz im Dezember 1914

      Deutsche Soldatengräber auf dem Friedhof bei St. Souplet. Das Holzkreuz mittig trägt die Aufschrift: Bernhard von Schimpff, Hauptmann, Jäg. Batl. 72.

      Die Verlustliste des Vereins für Computergenealogie gibt hierzu wieder: " Maschinengewehr-Kompagnie, Hauptmann Bernhardt v. Schimpff aus Dresden--gefallen.

      Trotz abweichender Schreibweise des Vornamens kann davon ausgegangen werden, dass beide Angaben zur gleichen Person gehören. Dieses und das vorherige Bild geben wieder, dass der Zeichner bei einer MG-Ersatzkompanie war und die Bilder dort fertigte.

    • Eine deutsche Skiläuferpatrouille in den Vogesen

      Zeichnung: Hans Treiber

    • Deutscher Sanitätswagen

    • Vom Schauplatz in den Vogesen

      Deutsche Landsturmleute bringen die Abendsuppe in die Stellung. Zeichnung von A. Haushofer

    • Feldtelefon in einem deutschen Unterstand

    • Fliegerabteilung 30 des II. Armeekorps

      Angriff eines Flugzeuges der Fliegerabteilung 30 des II. Armeekorps auf einen franz. Fesselballon, der der Beobachtung der Artilleriewirkung dient. Links im Bild ein franz. Farman-Eindecker auf Abfangkurs.

2. Flandernschlacht bei Ypern April 1915

2. Flandernschlacht bei Ypern April 1915

Es lag seit langem in der Absicht des deutschen Armeeführers, die taktisch ungünstige Lage des Gegners zum Angriff östlich Ypern auszunutzen. Die Zurückdrängung des Gegners aus seiner vorspringenden Stellung gegen oder über den Ypernabschnitt würde die Frontbreite der Armee verringern und den noch im Feindesland befindlichen Teil Belgiens verkleinern. Auch die moralische Wirkung eines groß angelegten Angriffes auf die Truppen musste nach dem langen Stellungskampf von Bedeutung sein.

Die Armee seiner königlichen Hoheit des Herzogs Albrecht von Württemberg, die an der Yser liegt, konnte an die Verwirklichung diese Absicht aber erst gehen, nachdem sie über die ihr so nötigen Kräfte verfügte. Der von Norden, Osten und Süden umfasste Gegner konnte auf die Dauer einem mit ausreichenden Kräften geführten Angriff nicht widerstehen, die deutschen Truppen standen im Norden und Süden von Ypern den dortigen Yserübergängen näher als die am weitesten nach Osten vorgeschobenen Teile des Feindes. Aus dieser Lage ergab sich die Art der Durchführung des Angriffes.

Der Hauptangriff musste nach der Basis der feindlichen Stellung, die der Yperkanal bildete, eingesetzt werden, um den Ausgang des Sackes, in dem sich der Gegner östlich Ypern befand, allmählich zuzuschnüren und damit die rückwärtigen Verbindungen zu bedrohen. Da die deutschen Stellungen südlich Ypern bereits auf 4 Kilometer gegen die Stadt vorgeschoben, im Norden aber um die doppelte Entfernung von hier entfernt waren, schien der Angriff aus dieser Richtung geboten. Es war anzustreben, dass der Gegner im östlichen Teil des Sackes möglichst lange festgehalten wurde. Der Hauptangriff durfte daher nicht zu weit nach Osten ausgedehnt werden, während den übrigen Teilen der Einschließungsfront die Aufgabe zufiel, den gegenüberstehenden Gegner zu fesseln. Diese Gedanken leiteten die am 22. April 1915 beginnende Offensive.

An diesem Tage waren die Vorbereitungen beendet, die der schwierige Angriff gegen eine seit Monaten ausgebaute, von einem zähen Verteidiger besetzte Stellung forderte. 6:00 Uhr abends brachen unsere Truppen aus der Linie Steenstraate -Langemarck hervor. Der vollkommen überraschte Feind überließ ihnen seine erste und zweite Stellung, die 30-500 Meter vor unserer Front lagen, und floh in westlicher Richtung über den Kanal und nach Süden, während seine Artillerie die nachdrängenden Deutschen aufzuhalten suchte. Als aber die Nacht herabsank, standen die Angriffstruppen in einer Linie, die dem Kanal von Steenstraate über Het Sas bis 2 Kilometer südwestlich Pilkem folgte und von hier nach Osten um umbiegend, in Richtung die alten Stellungen des nächsten Abschnitts erreichte. Nur bei Steenstraate hat der Feind heftigen Widerstand geleistet, aber dennoch war es gelungen, den Ort abends zu nehmen und hier, ebenso wie bei Het Sas, mit Teilen das linke Ufer zu gewinnen. Das taktische Ergebnis des ersten Kampftages war, das Gelände in einer Breite von 9 Kilometer und in einer Tiefe von 3 Kilometer gewonnen, der Ausgang des Sackes ist somit wesentlich verengt worden war. Außerdem war in zwei neuen Stellung westlich des Kanals fester Fuß gefasst. Gleichzeitig mit dem Hauptangriff wurde der Gegner auf der ganzen übrigen Front beschäftigt.

Es war vorauszusehen dass die Verbündeten, nachdem sie ihren Verlust in vollem Umfange anerkannt hatten, versuchen würden, das Verlorene wieder zu gewinnen. Die am 23. April beginnenden Kämpfe stellen auf Seiten des Gegners eine fast ununterbrochene Reihe von Versuchen dar, die Deutschen aus ihren neuen Stellung zurückzudrängen, um sich von dem Druck auf die rückwärtigen Verbindungen zu befreien und das westliche Kanalufer dann in die Hand zu bekommen, um von hier den deutschen Hauptangriff im Rücken zu bedrohen. Die Aufgabe der deutschen Truppen war, die gewonnenen Stellungen nicht nur zu behaupten, sondern unter Ausnutzung geht der günstigen Gelegenheit weitere Fortschritte in südlicher Richtung zu machen und den Ring um den Feind immer enger zu schließen. Bis zum 2. Mai spielten sich die Kämpfe am Kanal und zwischen ihm und der Straße Passchendaele-Broodfeinde ab.

Bereits am 23. April setzten die feindlichen Gegenangriffe ein, aber an diesem Tage verfügte der Gegner anscheinend nur über geringe Menschenkräfte. Zwei Angriffe, von zwei französischen Regimentern und einem englischen Bataillon getrennt unternommen, brachen vor dem schnell ausgebauten Stellungen zusammen. Die Angriffe waren gegen den westlichen Abschnitt unserer Front angesetzt, in der Erkenntnis, dass aus dieser Richtung die größte Gefahr drohte. An den folgenden Tagen dehnten sich die Kämpfe weiter nach Osten aus, aber die stärksten Angriffe richteten sich immer wieder gegen den Westabschnitt, gegen den auch die Artillerie des Gegners vom linken Kanalufer flankierend wirken konnte. Die erbitterten Kämpfe, bei denen beide Seiten abwechselnd Angreifer und Verteidiger waren, kennzeichnet sich meist als Einzelgefechte auf der in dem unübersichtlichen Gelände vielfach gebrochenen Front.

Es erübrigt sich, den Kämpfern in den Tagen bis zum 2. Mai im einzelnen nachzugehen. Es ist ein zähes Ringen, indem die Stärke der angreifenden Truppen bedeutend schwankt, größere zusammenhängende Angriffe des Gegners aber selten sind. Über Ypern zieht er Verstärkung heran, die auf etwa zwei englische und ein bis zwei französische Divisionen zu schätzen sind. Am 24. April wird der Angriff einer englischen Division unter schwersten Verlusten für diese abgeschlagen. Am 25. April werden fünf englische Bataillone westlich St. Julien durch flankierendes Maschinengewehrfeuer fast bis auf den letzten Mann vernichtet. Den stärksten Angriff brachte der 26. April, als etwa ein Armeekorps zwischen den Straßen von Pilkem nach Ypern und St. Julien sowie weiter östlich vorging. Er wurde blutig abgewiesen und 3000 tote Engländer blieben liegen. Denselben Misserfolg hatte ein an den Kanal angelegter breiter Angriff am folgenden Tage. Auch aus dem östlichen Punkt ihrer Stellung bei Broodfeinde versuchten die Engländer einen Vorstoß. Ein starker aber erfolgloser französischer Angriff am 1. Mai in unserem Westabschnitt stellte den letzten Versuch des Gegners dar, seine Stellung, in die er am 23. April gedrängt war, und die er am 2. Mai ebenfalls aufgeben musste, wieder vorzutragen. Die außerordentlich große Verluste in diesen Kämpfen vom 23. April bis 1. Mai außer tausenden Toten und Verwundeten etwa 5000 Gefangene, 65 Geschütze, darunter vier schwere englische lange Kanonen, und anderes Kriegsmaterial, hatten den Verbündeten kein Stück des am 22. April verlorenen Geländes zurückgebracht. Dagegen war es unseren Truppen gelungen, die eigenen Linien langsam in Gegend St. Julien, nordwestlich S'Gravenstafel, vorzuschieben. Von großer Wirkung war das Feuer der deutschen Artillerie, dass sich Tag und Nacht, außer auf die feindliche Front, gegen die rückwärtigen Verbindungen sowie Ypern richtete und sogar den 12 Kilometer westlich dieser Stadt gelegenen Etappenhauptort Poperinghe erreichte. Die Batterien unseres Südflügels konnten nach dem Erfolg des 22. April die Angriffe gegen unseren Nordflügel im Rücken wirkungsvoll unter Feuer nehmen. Der ganze Raum, den die Stellung des Gegners umschloss, war von drei Seiten durch unser Feuer beherrscht, dessen verheerende Wirkung zahlreiche Brände bekundeten. Ypern brannte.

Der Gegner hatte den Ernst seiner Lage erkannt. Das bewiesen seine verzweifelten, Verluste nicht achtenden Angriffe. Die Meldungen über das Herausziehen schwere Artillerie aus dem Sack und der Bau eines Brückenkopfes, dicht östlich Ypern, sprachen dafür, dass die Verbündeten mit dem schließlichen Verlust ihrer vorgeschobenen Stellungen, vielleicht mit dem Verlust des ganzen östlichen Yserufers rechneten.

Am Kanal zwischen stehen Steenstraate und Het Sas hatten sich selbstständige Kämpfe, unabhängig von den bisher geschilderten, entwickelt, mit denen sie nur durch gegenseitige Artillerieunterstützung der benachbarten Abschnitte gegen die flankierenden Batterien des Gegners auf dem Westufer des Kanals verbunden waren. Nach der Festsetzung unserer Truppen auf dem linken Kanalufer in der Nacht vom 22. zum 23. April war es ihre nächste Aufgabe, die gewonnenen Stellungen in zusammenhängender Linie unter Gewinnung von Raum nach vorwärts auszubauen. Diesem Bestreben setzte der Gegner heftigen Widerstand entgegen. In der Nacht vom 23. zum 24. April 1915 entwickelten sich schwere Kämpfe, besonders westlich Steenstraate, in denen unsere Truppen das Dorf Lizerne vor dem rechten Flügel der Front stürmten. In erbitterten Nahkampf musste Haus für Haus genommen werden, und auf beiden Seiten waren die Verluste schwer. Ein Vorgehen über das Kanalhindernis in der Gegend Bowsinghe, um eine breite Basis auf dem Westufer zu gewinnen, war unausführbar, weil der Gegner die Brücken gesprengt hatte.

Der Vorstoß über den Kanal veranlasste aber den Gegner in den folgenden Tagen, gegen diese verhältnismäßig schmale deutsche Front bedeutende Verstärkung heranzuziehen, die für die entscheidenden Kämpfe in dem Sack östlich Ypern verloren gingen. Gegen die energischen Angriffe des Gegners, die am 26. April begannen, hatten unsere Truppen einen schweren Stand. Den Brennpunkt bildete das Dorf Lizerne, dessen vorgeschobene Lage ist den feindlichen Batterien ermöglichte, dem Ort durch konzentrisches Feuer so völlig zuzudecken, dass der Entschluss gefasst wurde, diesen in der Nacht vom 26. zum 27. April freiwillig zu räumen und die Besatzung in den rückwärts gelegenen, stark ausgebauten Brückenkopf auf dasselbe Kanalufer zurückzunehmen. Am 28. April gelang es dem Gegner, in einen kleinen Teil unserer Front bei Het Sas vorübergehend mit schwachen Kräften einzudringen, die indessen bald durch voreilenden Reserve zurückgeworfen wurden. Bei einer Wiederholung dieses Angriffes suchte der Gegner vergeblich durch einen gleichzeitigen Vorstoß durch Turkos und Zuaven auf dem östlichen Ufer längs des Kanals den Frontalangriff zu erleichtern. In den ersten Maitagen nahm die lebhafte Tätigkeit der französischen Infanterie gegen unsere Kanalstellungen ab, und der Gegner beschränkte sich hier in der Hauptsache auf Artilleriekämpfe, denn die Entwicklung der Lage in dem Sack östlich Ypern zog seine ganze Aufmerksamkeit dorthin. Die Schilderung der dortigen Kämpfe bis zum 2. Mai hat gezeigt, dass in ihnen im allgemeinen dem Gegner die Rolle des Angreifers überlassen wurde, und die vergeblichen, in ihrer Gesamtheit blutig abgewiesenen Angriffe mussten ihn schwächen und seinen inneren Halt erschüttern, wodurch die Fortsetzung des deutschen Angriffs günstig vorbereitet wurde.

Der Entschluss Vierzug wurde am 2. Mai gefasst. Am Abend dieses Tages begann der Angriff auf der ganzen Nord- und Nordostfront. Im Westen kam in der Mitte südlich St. Julien, in dem Abschnitt zwischen dem westlich des Dorfes gelegenen Wäldchen und der Straße Langemarck- Zonnebeke, vorwärts. Noch vor Einbruch der Nacht war hier Gelände in einer Tiefe von einem halben bis 1einen Kilometer gewonnen und die Straße Mosselmarkt - Fortuin erreicht. Der Häuserkampf in dem letztgenannten Ort endete mit dem deutschen Sieg. Zu beiden Seiten dieses Angriffsstreifens entwickelten sich ebenfalls hartnäckige Kämpfe, in denen unsere Truppen nur sehr langsam Boden gewonnen. Trotz heftiger feindlicher Gegenangriffe verschob sich aber unsere Linie am 3. Mai weiter vor. In kühnem Sturm entrissen württembergische und sächsische Bataillone den Engländern das als Stützpunkt stark ausgebaute Wäldchen nördlich S'Gravenstafel, den Eckpfeiler im Schnittpunkt der feindlichen Nord-und Ostfront. Die die Gräben füllenden englischen Leichen bezeugen den tapferen Widerstand des Gegners.

Der starke Druck des von der gesamten Artillerie gestützten deutschen Angriffes verfehlte nicht seine Wirkung auf die Entschlüsse des Gegners. Wieder war der Sack, in dem er sich befand, enger geworden und mit dem weiteren Fortschreiten des deutschen Angriffs wuchs die Gefahr, dass die am weitesten nach Osten vorgeschobenen Teile nicht mehr rechtzeitig zurück genommen werden könnten. Schon am Abend des 2. Mai hatten Flieger den Rückmarsch kleinere Abteilungen in westlicher Richtung und die Fertigstellung des feindlichen Brückenkopfes dicht östlich Ypern gemeldet. Im Rücken der feindlichen Front war auffallend wenig Bewegung festzustellen.

In der Nacht vom 3. zum 4. Mai baute der Gegner ab. Seine ganze Nord-, Ost-und Südfront zwischen Fortuin, Broodfeinde, Klein-Zillebecke gab er in einer Breite von 15 Kilometer auf und überließ unseren überall sofort nach dringenden Truppen Gelände in einer Tiefe von einem halben bis 3 Kilometer. Es waren seit langem nicht mehr gesehene Bilder des Bewegungskrieges, als unsere Schützenlinie, von geschlossenen Abteilungen gefolgt, die flandrische Landschaft belebte, lange Artillerie-und Munitionskolonnen im Trabe nachgezogen wurden und Reserven in grünen Wiesen und verlassenen englischen Stellungen lagen. Überall in dem vernichteten Landstrich waren die gewaltigen Wirkungen unserer Kampfmittel zu sehen.

Im westlichen und mittleren Abschnitt ihrer Nordfront wie in den westlichen Teil ihrer Südfront behaupteten die Verbündeten ihre Stellungen mit zähem Widerstand, um den Rückzug der übrigen Teile zu decken. Diese setzten sich erneut in der ungefähren Linie 700 Meter südwestlich Fortuin-Frezenberg-Eksternest-Ostrand des Waldes östlich Zillebeke fest, und hiermit beginnt ein neuer Abschnitt der Kämpfe.

Das vom Gegner behauptete Gebiet östlich des Kanals, das bis zum 22. April eine Frontbreite von 25 Kilometern und eine größte Tiefe von 9 Kilometern hatte, ist auf 13 Kilometer Breite und 5 Kilometer Tiefe zusammengeschrumpft. Der Sack ist so bedeutend enger geworden und der konzentrischen Wirkung der deutschen Artillerie noch mehr als bisher ausgesetzt.

In diesem Monat tobt der Kampf an zwei Stellen mit besonderer Heftigkeit. Bei Arras und La Bassée und bei Ypern. Über die Schlacht bei Arras und La Bassée, auch Schlacht an der Loretto-Höhe genannt, wurde in deutschen Zeitungen von „berufener Seite“ ein ausführlicher Bericht gegeben. Er lautet:

Während in Galizien die Verbündeten Armeen von Sieg zu Sieg eilen durften, hatte die Armee des Kronprinzen von Bayern einen Kampf zu bestehen, der nicht minder heiß, blutig und ruhmvoll war. Doch gab es hier kein vorwärts stürmen durch die Reihen des Feindes, keine Verfolgung der flüchtenden Scharen mit des Mannes und des Rosse letztem Atemzug. Die vielleicht gerade dem deutschen Soldaten schwerste Aufgabe galt es zu erfüllen: In einer Verteidigungsstellung den Ansturm eines weit überlegenen, mit zahlreicher schwerer Artillerie und unerschöpflicher Munition ausgerüsteten Gegners abzuwehren.

Denn großes plante der Feind. Nicht etwa eine Ablenkung unserer Stärke von dem in Galizien verblutenden Verbündeten galt es. Die Versammlung so starke Kräfte, die Anwesenheit des französischen Oberbefehlshabers, die gewaltigen Anstrengungen und die Hartnäckigkeit des Angreifers beweisen es, die erbeuteten Befehle bestätigen es: General Joffre erachtete den Augenblick für gekommen, die deutsche Front zu durchstoßen, die verlorenen Provinzen und Belgien zu befreien und den Krieg an den Rhein zu tragen. Die Not des östlichen Verbündeten, der Zusammenbruch seiner Armeen in Galizien zwangen dazu, jetzt die Gelegenheit auszunutzen, da Deutschland scheinbar starke Kräfte nach dem Osten hin über geschoben hatte. Gelang die entscheidende Operation diesmal nicht, so bestand die Gefahr, dass Russlands Angriffskraft erdrückt, die Kraft der Deutschen auf dem westlichen Kriegsschauplatz vermehrt würde.

Möglichst starke Kräfte galt es, zu diesem großen Ziel zusammen zu ziehen, also nicht nur französische, sondern auch englische Truppen dafür zu verwenden. So ergab sich von selbst als Schauplatz des Durchbruchs die Gegend, in der die beiden verbündeten Armeen einander berührten.

Hier schien auch die taktische Lage nicht ungünstig für das Vorhaben. Die deutschen Truppen befanden sich nicht in für die Verteidigung sorgfältig ausgewählten Stellungen, sondern hielten im wesentlichen die Linien, wie sie aus der Offensive entstanden waren. So konnte es nicht an schwachen Punkten fehlen.

In dem fast ebenen Gebiet Flanderns zwischen der Gegend Armentiers und La Bassée befand sich zwar kein ausgesprochener Geländevorteil in der Hand der Engländer, immerhin gab es insbesondere in der Gegend östlich Festubert der und bei La Bassée, manche vorspringende Teile unserer Linien, an denen eine Umfassung dem Feind leicht möglich war. Begünstigt wird hier der Angriff durch die Unübersichtlichkeit des dicht mit baumumpflanzten Gehöften besetzten Geländes. Das im Mai schon hohe Gras verdeckt den geschickt heran kriechenden Infanteristen dem Verteidiger. Der Artillerie fehlen natürliche Beobachtungspunkte. Erst hinter unserer Linie von Radingham über Aubers-Fromelles zieht eine leichte Welle nach Biolaines.

Ein anderes Bild bietet die südlich davon liegende Landschaft Artois. Hier bildet den südlichen Abschluss der tiefen Ebene ein etwa senkrecht zu unserer Front verlaufender, lang gedehnter und steil abfallen der Höhenzug. Weithin erblickt man im Tiefland auf ihm den scharf abgesetzten Ostrand des Bois de Bouvigny, weithin leuchtete auch früher, als im Herbst zuerst unsere Reitergeschwader hierher kamen, die viel besuchte Wallfahrtskirche von Notre Dame de Lorette. Sie lag am äußersten östlichen Rand des schmalen gegen Westen noch ansteigenden Plateaus auf diesem Höhenzug und war in den Kämpfen seit dem Herbst völlig zerstört worden. Hier hatten die Deutschen schon seit dem Oktober Fuß gefasst. Schrittweise war es ihnen gelungen, in harten Kämpfen in den Wintermonaten einige 100 m weit vorzudringen. Immer aber noch blieb der ganze Wald im Besitz der Franzosen. So klammerten unsere Badener sich nur an einen kleinen Teil dieses Höhenzuges an, der von beiden Seiten umfasst war, da unsere von La Bassée über Loos und Angres geführte Stellung von dort mit einer scharfen Spitze vor sprang über die Loretto-Höhe zu den beiden südlich davon in zwei durch die niedrige Höhe 125 geschiedenen Bachgründen tief gelegenen Orten Ablain und Carency. Von diesen Dörfern, deren Ausläufer noch in Feindeshand geblieben waren, zog die deutsche Linie scharf nach Südosten zurück und lief auf die westliche Vorstadt von Arras, St. Laurent, zu. Sie führte hier über La Targette dicht westlich des großen Dorfes Neuville im allgemeinen in der Tiefe zwischen zwei Höhenzügen. Der westliche, auf dem die zerschossenen gewaltigen Türme von Mont St. Eloy eine Landmarke des ganzen Gebietes bilden, bot den Franzosen treffliche Artilleriestellungen und in den Dörfern Ecurie und Roclincourt gute Stützpunkte.

Der östliche Höhenzug steigt von dem im Carencybachtal tief gelegenen Ort Souchez aus stark zur Höhe 140 empor und senkt sich dann über La Folie zwischen Thelus und Baileul hindurch gegen die Scarpe. Die Besitzname dieser Höhen, die die weite Ebene um Douai nach Westen abschließen und einer von dieser Stadt vordringenden Armee die erste günstige Stellung bieten, war im Oktober für uns von größter Wichtigkeit gewesen. Ihr Verlust konnte uns schwer treffen.

So bot für die Franzosen der Angriff auf den vorspringenden Winkel bei der Loretto-Höhe und die anschließenden Stellungen gute Aussichten.

Die ersten Tage des Monats Mai begünstigten die Franzosen. Das Wetter schränkte die Luftaufklärung sehr ein und hinderte uns daher, das heranführen der großen Truppenmassen auf der Bahn genau zu erkennen, obschon es beobachtet wurde und auch sonst Anzeichen dafür vorlagen. Sehr geschickt verheimlichten die Franzosen auch sonst diese Verschiebungen. Keine Patrouille durfte ihre Gräben verlassen. Bisher hatten in dem Abschnitt von der Grenze zu englischen Armee südlich von La Bassée bis Arras den deutschen drei ein viertel französische Armeekorps (58. ID, 92. ID, 21. AK, 33. AK, ein Viertel des 10. AK) gegenübergestanden. Am 8. Mai deuteten zum ersten Mal bei einem gefallenen Franzosen gefundene Briefe auf die Anwesenheit des 17. AK.

Dagegen lag bereits seit dem 1. Mai sehr schweres feindliches Artilleriefeuer hauptsächlich auf dem Abschnitt von der Loretto-Höhe nach Süden bis gegenüber Roclincourt.

Am 6. Mai schätzte ein Armeekorps, dass der Feind 13.500 Schuss gegen seine vorderen Linien abgegeben habe, am 8. Mai erhöhte sich die Zahl auf 17.000. Dazu traten jetzt neuerdings schwere Wurfminen auf, deren am 8. Mai nicht weniger als 1800 gezählt wurden.

Schwer litten unsere Gräben und Drahthindernisse, die wiederherzustellen unsere Leute bei dem ununterbrochenen Feuer trotz aller Aufopferung keine Gelegenheit fanden. Südlich Carency sappierte der Feind sich auch näher heran.

Zum Angriff kam es aber vorerst nur am 8. Mai in der Nähe von Liévin, wo französische Jäger nach einem starken Artillerieüberfall in ein kleines Grabenstück eindrangen. Im Laufe der Nacht warfen die Badener den Feind wieder hinaus und nahmen ihm 100 Gefangene ab.

So brach der strahlend schöne schwüle Sonntag des 9. Mai an. Planmäßig, aber wirkungslos weckten Bombenwürfe feindlicher Flieger einige höhere Kommandobehörden und das Personal aller wichtigen Bahnhöfe. Die Absicht, durch Zerstörungen Verwirrung in der Befehlsgebung zu erzielen und den Antransport von Verstärkungen zu vereiteln, war dem Feind missglückt.

Auf den Stellungen nördlich Arras lag von 4:00 Uhr morgens ab schwerstes Feuer. Auch auf alle Beobachtungsstellen unsere Artillerie und in die Verbindungen nach vorwärts viel Geschoss auf Geschoss ein. Bald versagten die Drähte zu den Schützengräben, selten und langsam kamen Meldegänger zurück. Dass der Feind seine Hindernisse wegräume, teilten sie mit. Von der Höhe von La Folie aus sah man, wie unsere Gräben in dichten Rauch gehüllt waren. Eine feindliche Granate nach der anderen fuhr in die schwarze Wolke, die sich bald haushoch türmte. Höher noch schleuderten Minenwürfe Erdschollen und Trümmer des weißen Kalksteins in die Luft.

Gegen 8:00 Uhr schweigt das Feuer auf einen Schlag. Rasch eilen die schon stark gelichteten Reste der Grabenbesatzung, niederrheinische Landwehr sowie bayerische Chevauxlegers und Infanterie, an die Brustwehr, bereit, den anstürmenden Feind Auge in Auge entgegenzutreten. Sofort schicken die vorne befindlichen Kommandeure zu den Unterstützungen, die in der zweiten Stellung liegen, den Befehl vorzurücken. Unsere Artillerie legt starkes Sperrfeuer auf die französischen Gräben. Doch statt des Angriffs erfolgt ein neuer, noch heftigerer Feuerstoß der feindlichen Artillerie. Wieder bedeckt Rauch und Qualm das ganze Gesichtsfeld. Da, um 9:00 Uhr, sieht die Artillerie von La Folie aus an der zufällig etwas rauchfreien Stelle zwischen Carency und dem Wäldchen südlich davon eine lange dunkle Linie im Vorgehen. Sie erkennt, wie zwischen Carency und La Targette mehrere Minen in die Luft gehen. Die Franzosen greifen an! Unter dem Rauch hindurch dringen sie in Massen vor.

Im Abschnitt zunächst nördlich der Scarpe brechen sie in unserem Feuer zusammen. Haufen von Toten und Verwundeten der französischen 19. Division und des 17. Armeekorps liegen vor den Drahthindernissen. 1600 feindliche Leichen zählte ein einziges unserer Regimenter vor seinem Abschnitt. Gegenüber Roclincourt dringt ein kleiner Teil ein. Bayerische Bajonette werfen ihn hinaus.

Allzu mächtig aber ist der Ansturm auf den durch Artilleriefeuer besonders beschädigten Abschnitt zwischen La Targette und Carency. Mit gewaltiger Überlegenheit überrennen hier das 20. und 33. französische Armeekorps und mitten zwischen ihnen die marokkanische Division die schwache Besatzung der zertrümmerten Gräben. Verzweifelt wehren sich die wenigen Überlebenden. Schwer verwundet fällt der Regimentskommandeur der Landwehr, der die Unterstützungen persönlich vorführt, in Feindes Hand.

Unsere zweite Stellung ist entblößt. An den vorgeschobenen Geschützen nördlich Neuville und südlich Souchez bricht sich die Brandung kurze Zeit, bis der letzte Kanonier zu Boden sinkt. Dann geht der Ansturm weiter. Die Franzosen dringen auf der Höhe von La Folie vor. Die Artilleriebeobachtungsstellen bei La Folie sind in ihrer Hand, schon nähern sie sich dem Ostabfall des großen Höhenzuges. Und auch gegen Norden gewinnen sie Boden. Von der Höhe stürmen sie hinab in das Dorf Souchez. Der Kommandeur eines bayrischen Jägerregiments mit 10 Mann hält hier vorläufig allein den Südeingang.

Westlich davon dringen Zuaven und Fremdenlegionäre über den Carencybach, nehmen Moulin Malon, bedrohen die Loretto-Höhe von Süden und umschließen auch von Osten das Dorf Carency, gegen das von Süd und West die 10. Division anstürmt.

Um 12.00 Uhr mittags scheint es fast, als sei hier den Franzosen der Durchbruch gelungen. In einer Breite von vier Kilometern und einer Tiefe von drei Kilometern ist das Gelände zwischen den Dörfern Neuville, Carency und Souchez in ihrer Hand. Auch südlich Neuville ist der Feind in das Grabengewirr eingedrungen, das sein Bericht bezeichnender Weise „Labyrinth“ nennt. Bis über die Straße, die im Hohlweg von Ecurie nach Norden führt, ist er gelangt. Ein von uns kunstvoll mit Dach versehener Verbindungsweg bietet ihm nun Schutz.

Aber jetzt zeigt unsere Truppe, welch Geistes sie ist. Nördlich Ecurie machen die von Süden und Westen angegriffenen Söhne des Allgäus nun auch nach Norden Front, und verwehren dem Feind in erbittertem Nahkampf das Vordringen gegen den Rücken des Regiments. Kein Mann denkt daran, die Stellung zu räumen. In Neuville werfen sich die Verteidiger in die Häuser und halten die östliche Hälfte des Ortes. In einem Garten steht ein Geschütz, dessen Bedienung gefallen ist. Ein Pionierleutnant und zwei Pioniere feuern damit auf nächste Entfernung in den Feind. Am Weg von Neuville nach La Folie bildet sich eine Schützenlinie, die den eingedrungenen Feind von Süden flankiert. Von Norden her lösen eine badische Batterie und ein bayrischer Haubitzenzug , auf 600 Meter feuernd, glänzend diese Aufgabe, bis auch im Dorf schwache Unterstützungen, zuerst ein einziger Jägerzug, der Handvoll Verteidiger zu Hilfe kommen. Von Ablain verhindern Badener das Vordringen des Feindes gegen Norden.

Gegen die Front des Durchbruchs aber werfen sich auf den Höhen westlich Givenchy und Vimy die Reserven des Abschnitts. Jeder Mann weiß, worum es sich handelt. Sieht doch der hier kommandierende General von La Houlette aus schon französische Schützen auf dieser Höhe im Vorgehen. Wer nur Waffen hat, schließt sich den Kompanien an, Mannschaften der Kolonnen und Pferdewärter stürmen den steilen Osthang hinauf. Und es gelingt. Auf den Höhen 119, 140 und an den Waldrändern südlich davon gebietet unsere Artillerie und Infanterie den Eindringlingen Halt, nachdem deren vorderste Abteilungen niedergemacht sind.

13.00 Uhr ist vorbei, die erste Krisis hier überwunden und bis zum Abend ändert sich die Lage nicht.

Inzwischen aber tobt auch an anderer Stelle der Front der Kampf. Auf den nördlich anschließenden Teilen lag seit dem Morgen heftiges feindliches Artilleriefeuer. Die von Gräben, unzähligen Geschosslöchern und Minentrichtern durchfurchte Loretto-Höhe bildete sein hauptsächlichstes Ziel. Dann folgte auch hier der Angriff. Auserlesene Jägerbataillone des französischen 21. Armeekorps führen ihn. Sie dringen in die Gräben ein. Trotz tapferster Gegenwehr müssen die Badener die vorderste Stellung räumen, nur eine Kompanie hält sich dort, trotzdem der Feind sie umringt.

Auch weiter Nördlich in der Gegend von Loos gelangte ein Angriff in unsere Linie. Wieder wurde hierbei ein neues französisches Armeekorps, das 9., festgestellt.

Überall auf diesem teil des Schlachtfeldes war der Feind nicht über unsere erste Stellung durchgedrungen. Seine Erfolge blieben daher weit hinter dem erstrebtem Ziel Ziel zurück.

Nicht unmittelbar im Anschluss an die Franzosen erfolgte der englische Angriff. Vom 09. Mai morgens ab beschossen sie unsere Gräben heftig, besonders westlich der großen Straße La Bassée – Estaires und nördlich Fromelles. Allerdings erleichterte ihnen der hohe Grundwasserstand in dieser Gegend die Arbeit. Die Brustwehren mussten seinetwegen größtenteils hier auf den gewachsenen Boden mit Sandsäcken aufgeschüttet werden. Kein Wunder daher, wenn bald alles verschüttet war. Um 0.30 Uhr sprangen vollkommen überraschend in der Brustwehr der Bayern nördlich Fromelles zwei Minen. An dieser Stelle und an zwei anderen in der Nähe gelegenen drangen sofort starke englische Schützenlinien ein, überrannten die vereinzelten überlebenden Verteidiger und warfen sich in weiter hinter unserer Front gelegene Gräben und Gehöfte. Welle auf Welle folgte und versuchte sich von den schmalen Durchbruchstellen aus nach beiden Seiten in den Gräben auszudehnen. Aber schon hatten die anschließenden Abteilungen die Gräben verdämmt und schon hinderte das Sperrfeuer der Artillerie die Engländer, weitere Kräfte nachzuschieben.

In wahrhaft musterhafter Weise wirkten die bayerischen Truppen zusammen, um diesen Anfangserfolg des Feindes zunichte zu machen.

Um die Mittagsstunde war jede Gefahr beseitigt, bis zum Abend das ganze Gelände wieder zurückgewonnen. An einer Stelle hat die vorderste Linie durch Angriff von beiden Seiten mit Handgranaten und Bajonett die eingedrungenen Feinde aus eigenen Kraft hinaus gequetscht, an den beiden anderen hatte der Einsatz von Reserven dieses Ziel erreicht. Der Versuch, dem Schicksal zu entgehen und in die eigenen Gräben zurückzuziehen, kostete die Engländer zahllose Tote. Ganz erbitterte Nahkämpfe gegen die durchgebrochenen, verzweifelt sich wehrenden Engländer spielten sich hinter unserer Front unterdessen ab. An jeden alten Graben, an jedes Wasserloch, jeden Trümmerhaufen klammerten sich ihre Reste an. Vielfach mussten Ober- und Niederbayern zur heimischen Waffe greifen, um den Widerstand zu brechen. Von der Erbitterung der Kämpfe zeugt es, dass 140 Gefangene mit 7 Maschinengewehren in unsere Hand fielen, während 1500 englische Leichen allein hinter unserer Front begraben wurden. Nicht weniger als 143 tote englische Offiziere zählten wir, ein Zahl, die nur unerheblich unter der unserer gefallenen Mannschaften blieb.

Glänzend hatte eine bayrische Division den Angriff des dreifach überlegenen verstärkten 4. englischen Armeekorps abgewiesen.

Nicht gleichzeitig setzte der kommandierende General des durch eine indische Division verstärkten 1. englischen Armeekorps seinen Angriff gegen den Abschnitt Bois de Biez – La Quinque Rue an. Nachdem am Vormittag seine Infanterie nur schwächlich herangetastet hatte, steigerte er von 16.30 Uhr an sein Feuer zur äußersten Heftigkeit. Um 17.15 Uhr brach der Angriff los. Voran eine Welle farbiger Engländer, dann weiße, stürzen aus den vom Feind für große Massen geschockt angelegten Versammlungsgräben hinaus. Noch einmal farbige und wieder weiße Engländer folgen ihnen. Bis in unsere Drahthindernisse stürmen die Tapfersten. Aber stärker als des Feindes Wille ist das Feuer unserer Westfalen. Kein einziger Feind gelangt in unseren Graben. Massen von Engländern verschiedener Rassen decken das Feld.

So war es trotz eingehendster Vorbereitung, genauester Kenntnis der schwachen Besetzung unserer Linien, großer Überlegenheit an Zahl, gewaltigen Munitionsaufwands und rücksichtslosen Einsatzes guter Truppen dem Führer der 1. englischen Armee nicht gelungen, irgendwo Vorteile zu erringen. Was er beabsichtigt hatte, war nicht etwa nur eine Demonstration zugunsten der Verbündeten.

Was er gewollt hatte, darüber geben uns seine Befehle Aufschluss:

„Die geplanten Operationen zielen auf einen entscheidenden Sieg, nicht auf einen lokalen Erfolg ab. Das Ziel der 1. Armee ist: Durchbruch der feindlichen Linie, um sich in den Besitz der Straße La Bassée – Fournes zu setzen und dann auf Don vorzustoßen“.

Aber auch die Erfolge der Franzosen blieben weit hinter dem zurück, was der kommandierende General des 28. Armeekorps seinen Truppen angekündigt hatte:

„Nach neunmonatiger Feldzugdauer ist es an der Zeit, eine endgültige Anstrengung zu machen, die feindlichen Linien zu durchbrechen und zunächst als Erstes die Deutschen von Frankreichs Boden zu verjagen. Der Augenblick ist günstig. Niemals war das Heer stärker, noch von größerem Mut beseelt. Der Feind scheint nur einige Divisionen vor unserer Front zu haben, unsere Kräfte sind viermal so stark als die seinigen. Wir verfügen über die stärkste Artillerie, die je auf einem Schlachtfeld verwendet worden ist. Es handelt sich heute nicht um einen Handstreich oder um die Wegnahme von Schützengräben. Es handelt sich darum, den Feind mit äußerster Heftigkeit anzugreifen, ihn zu schlagen, mit beispielloser Hartnäckigkeit und Zähigkeit zu verfolgen, ohne Rücksicht auf Strapazen, Hunger, Durst und Leiden.“

Das wollte der Feind, dazu hatte Joffre einen der besten seiner Armeeführer, den General Foch, mit der Leitung des Angriff betraut, dazu hatte er Frankreichs ganze verfügbare Kraft vereinigt.

Schon am 09.05.1915 abends stand es fest, dass er selbst nicht die schwachen deutschen Kräfte, die hier sofort zur Hand waren, über den Haufen werfen konnte.